Rocket Raccoon (Bd. 1) – „Bombonbunte Ballerballade“

„Guardians of the Galaxy“ war ein riesiger Erfolg an den Kinokassen und hat sehr vielen in Menschen aus meinem Umfeld, die sonst überhaupt nichts mit Comics am Hut haben wahnsinnig viel Spaß gemacht. Kein Wunder. Die teure Bombast-Optik und den flapsigen Buddy-Actionfilm-Charme mit einer großen Prise Star Wars muss man einfach lieben.

Ich denke ich bin nicht der Einzige, dem es schwer fällt zu sagen, wer sein Lieblingsguardian ist – Groot oder Rocket. Nach dem Genuss des ersten Bandes von „Rocket Raccoon“ fällt mir diese Entscheidung noch schwerer als zuvor. Denn auch wenn die anderen Guardians wirklich nur sehr kurz in Erscheinung treten, darf der wortgewandte Baummensch an der Seite des vorlaut-vulgären Kampfwaschbären natürlich nicht fehlen.

Dieser erste Band umfasst die ersten vier Einzelhefte der US-„Rocket Raccoon-Heftreihe von 2014. Und damit den vollständigen, ersten Storyzyklus „Auf der Flucht“. Eine Story vom „Free Comic Book Day“ 2014 (dem amerikanischen Gratis-Comic-Tag) rundet das Paket ab.

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Ein bizarres und spektakuläres Wrestlingmatch zwischen Groot und einer gewaltigen Tentakelkreatur wird von der planetaren Polizei gestürmt. Die „Kiss-Cam“ des Stadions hat Rocket als einen auf unzähligen Planeten wegen Mordes gesuchten Verbrecher identifiziert. Eine rasante Verfolgungsjagd endet für den zynischen, dauerfluchenden Waschbären wieder einmal in einem Hochsicherheitsgefängnis. Und für ihn stellt sich diese eine, wichtige Frage – Wenn nicht er selbst diese Morde begangen hat, ist er dann möglicherweise doch nicht der letzte seiner Art?

„Auf der Flucht“ ist eine brüllkomische und dynamische Achterbahnfahrt, vollgestopft mit Anspielungen auf TV-Serien und Science-Fiction-Filme. Der durch Marvels „Zauberer von Oz“ und seine sehr beliebten, knuddeligen Variant-Cover (das sind alternative Titelbilder für meist limitierte Comicausgaben) bekannte Skottie Young macht diesen Band vor allem durch seine dynamischen, knallbunten und herrlich überdrehten Cartoon-Artworks zu einem Erlebnis.

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Aber Young zeichnet sich hier auch für die Story verantwortlich. Die wirkt durch einige Bezüge auf die ersten „Rocket Raccoon“-Comics  von 1985 manchmal ein wenig wirr, ist aber insgesamt auch ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehbar. Sicher wird niemand hier epischen Tiefgang erwarten, vielmehr sind permanente Action und geschickt kaschierte, zotige Sprüche kriegsentscheidend, wie sie auch Marvel-Kollege Deadpool nicht hätte besser in Szene setzen können.

„Rocket Raccoon“ zu übersetzen war sicher eine Herausforderung, die aber im Sturm gemeistert wurde. Die zahlreichen popkulturellen Anspielungen wurden – gute Entscheidung – nie auf die deutsche TV-Landschaft umgemünzt. Der wichtige Fluss im Dialog, die ständige Verkettung von Witzen, Sprüchen und sexuellen Anspielungen ohne Kraftausdrücke zu benutzen sind ein Drahtseilakt der einen guten Übersetzer braucht. Glücklicherweise hat Panini Comics so ein Exemplar mit dieser Übersetzung betraut. Danke!

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Obwohl ich bereits große Erwartungen in diesen Band hatte, wurde ich sehr positiv überrascht. Alles knallt, macht großen Spaß und viel Lust auf mehr. Hoffentlich lässt der zweite Band nicht all zu lange auf sich warten!

Rezensionsmuster – Privatarchiv (Panini, Paperback), Screenshots aus der digitalen, englischen Version von Comixology

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