Turtles Ultimate Collection – „Ninjas und Pizza“

Der zweite „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Hollywood-Blockbuster von Michael Bay befindet sich derzeit in der Produktion. Grund genug, für deinantiheld.de euch zu zeigen, wo ihr die Ursprünge der „Heroes in a Half Shell“ bewundern könnt.

Der für seine liebevolle Aufbereitung von Klassikern bekannte IDW-Verlag präsentiert mit den fünf Bänden der „TMNT – Ultimate Collection“ die Highlights aus der ganz jungen Independent-Zeit der grünen, Pizza vertilgenden Popkulturphänomene. Die Turtles waren von ihren Schöpfern Peter Laird und Kevin Eastman (Heavy Metal-Magazin) eigentlich als Einzelausgabe angedacht, als überdrehte Parodie auf Frank Millers Mitte der Achtziger sehr populäre Daredevil-Comics. Der Chemieunfall, der den jungen Matt Murdok erblinden lässt, seine verbliebenen Sinne aber übermenschlich schärft ist auch verantwortlich für die Mutation von vier kleinen Schildkröten, und ihrem Ziehvater, Ratte Splinter. Dieser war zuvor das Haustier von Ninjameister Hamato Yoshi. In seinem Käfig studierte Splinter Yoshis Bewegungen ein und erlernte dessen Kampfkunst. Sowohl die weise Ratte, als auch seine Adoptivschildkröten, durch die Berührung mit der giftigen Substanz immer menschenähnlicher, erlernen den aufrechten Gang, Sprache und wachsen auf menschenähnliche Proportionen heran. 

Die Turtle-Teenager werden zu geheimen Beschützern der Bürger New Yorks, agieren immer aus dem Schatten, bleiben unentdeckt. Wie sich das für richtige Ninjas eben gehört. Mickrige Straßenräuber und Gangs sind kein Problem für die kampferprobten Reptilien. Doch als Oroku Saki, der Mörder von Splinters Meister Yoshi und seine Foot-Ninjas (eine weitere Anspielung auf Daredevil, der gegen die Ninjas der „Hand“ kämpft) New York heimsuchen, stehen Leonardo, Donatello, Raphael, Michelangelo und Splinter vor ihrer ersten großen Herausforderung.

 Abgesehen von Ninjas bekommen es die Turtles mit vielen wilden Freunden und Feinden zu tun. Mit weiteren Mutanten, maskierten Verbrechensbekämpfern, außerirdischen Invasoren, wahnsinnigen Wissenschaftlern, Superhelden, Kampfrobotern, Dinosauriern und Zauberinnen. Um nur die wichtigsten zu nennen. Das Kreativteam aus dem Mirage-Verlag lässt die Turtles eine Reise durch jedes noch so abwegige Szenario machen, dass die Comicwelt jemals gesehen hat. Aber so richtig abwegig fühlt sich das nie an. Die Charaktere und Welten agieren miteinander. Es gibt Dimensionsportale, Zeitreisen und Raumschiffe die alle Abenteuer miteinander verbinden und zu einem aberwitzigen, aber immer charmant-schlüssigem Universum verschmelzen. Der Ton ist hierbei insgesamt deutlich düsterer und ernster als in den Trickserien oder den modernen Filmen, bietet aber durch seine aberwitzigen Settings noch immer viel Witz und Charme und wird nie trocken und schwer.

Die hier gesammelten Turtles Comics aus dem von Eastman und Laird für die Turtles gegründeten Mirage-Verlag sind das absolute Paradebeispiel für den absolut irrsinnigen, kommerziellen Erfolg, den auch ein unscheinbarer Independent-Comic haben kann. Nachdem die erste Ausgabe sich weit über jede noch so tollkühne Erwartung hinaus verkaufte, gingen die Turtles-Schöpfer in Serie. Es folgten bislang fünf Kinofilme, vier TV-Serien, unzählige Spielzeuge, Videospiele und vieles, vieles mehr. Der Siegeszug der Turtles ist ungebrochen. Wer sich noch näher für die Entstehungsgeschichte und den Aufstieg dieses Phänomens interessiert, dem sei der sehr gute Dokumentarfilm „Wie die Turtles die Welt eroberten“ ans Herz gelegt, die momentan auch im Programm des „Amazon Prime“-Aboservice zu sehen ist.

 Die großformatigen, aufwändigen Hardcover-Bücher enthaltene folgende Ausgaben aus der ersten, bei Mirage erschienenen Turtles-Reihe.

  • Band 1 – TMNT Ausgaben 1-7, „Raphael“ Einzelausgabe
  • Band 2 – TMNT Ausgaben 8-11, „Donatello“, „Michaelangelo“ und „Leonardo“ Einzelausgaben
  • Band 3 – TMNT Ausgaben 12,14,15,17 und 19-21
  • Band 4 – TMNT Ausgaben 48-55
  • Band 5 – TMNT Ausgaben 56-62

Die „Ultimate Turtles Collection“ ist ein Stück Comic-Geschichte und sollten ein elementarer Bestandteil jeder Turtles-Sammlung sein. Wer seine Comics lieber grafisch aufwändig und sehr modern mag könnte auf den ersten Blick von der rauhen, wilden Optik der Frühwerke abgeschreckt sein. Wer den bewussten Stil aber zu schätzen weiß oder sich zumindest darauf einlässt, der bekommt pures Turtle-Destilat dafür.

Cowabunga.

Rezensionsmuster – Privatarchiv (IDW, Hardcover)