ElfQuest – Abenteuer in der Elfenwelt 2

Die Neuveröffentlichung der legendären Fantasy-Saga von Wendy und Richard Pini geht endlich weiter und beschert uns das Finale der „Original Quest“ im stilvollen Hardcover.

Nach den Ereignissen des ersten Bandes sind Schnitter, der Häuptling der Wolfsreiter und sein treuer Freund Himmelweis nun auf dem Weg, um weitere Elfenstämme in der Ferne zu finden und zusammenzuführen. Nach der Flucht aus ihrer Heimat hatten die wilden Waldbewohner im Sonnenvolk bereits deutlich zivilisiertere aber auch wehrlosere Freunde gefunden. Und Schnitter fand unter den dunkelhäutigen Elfen sogar die Mutter seiner Kinder, Heilerin Leetah.

Der junge Häuptling hofft mit den von den Menschen verehrten „Vogelgeistern des blauen Berges“ weitere Elfen zu finden. Und er wird nicht enttäuscht. Der durch Elfenmagie künstlich ausgehöhlte Berg ist seit ewigen Zeiten die Heimat von Lord Voll und seinen Vogelreitern.Die hochgewachsenen, kalten und militärisch organisierten Elfen können seit vielen Generationen keine Nachkommen mehr zeugen, was Lord Voll tief bedrückt. Da ist es eine glückliche Fügung, dass Schnitters Wolfsreiter mitsamt seinen Kindern Fünkchen und Sonnenstrahl den Abenteurern gefolgt ist und die kleinen Elfen nun Lord Volls Herz erwärmen können.

Aber der Grund für die lange, beschwerliche Reise, die nun doch fast der ganze Stamm auf sich nahm ist wenig erfreulich. Savah, die weise Älteste des Sonnenvolkes ist in einen tiefen Schlaf gefallen. Schnitters kleiner Sohn Sonnenstrahl, der über ähnliche magische Fähigkeiten wie die Magierin verfügt ist von ihr in einer Vision gewarnt worden. Etwas abgrundtief Böses hält sie gefangen. Und diese böse Macht lebt im blauen Berg…

ElfQuest versprüht mit jedem einzelnen Panel (so nennt man Einzelbilder) wahnsinnig viel Charme und Klasse. Die intelligente, komplexe Fantasy-Saga findet bei Tokyopop-Sublabel Popcom genau das richtige Zuhause, da sie bereits Ende der Siebziger ganz bewusst Elemente der japanischen Manga verwendete, ohne stumpf abzukupfern oder generisch zu werden. Das wird mit Winnowill und Tyldak, den finsteren Bewohnern des blauen Berges besonders deutlich. Endlich sehen sich die Wolfsreiter nicht mehr bloß mit dummen Trollen und plumpen Menschen konfrontiert – Die Bedrohung aus den blauen Bergen ist mitten unter ihnen. Und auf diese Weise stört sie genau dieses Urvertrauen, diese Konstante an der sie sich immer festhalten konnten – Elfen tun anderen Elfen nichts Böses an…

Die große Stärke der Pinis ist die sehr tiefe und authentische Schilderung emotionaler Beziehungen. Und in diesem zweiten Band wird deutlich, dass sie dieses Talent nicht nur besitzen, wenn es um Liebe und Zuversicht geht. Jeder Charakter, der einen Namen hat erhält Tiefe und Motivation. Und Wendies zarte, dekorative Zeichnungen bilden beides fantastisch ab. Egal ob es um die tiefe Zuneigung zwischen Schnitter, Leetah und ihren Kindern geht oder um die Abscheu die Winnowill für jeden außerhalb des blauen Berges empfindet, die Bewohner der Welt von ElfQuest sind auch nach über 30 Jahren unfassbar lebendig und greifbar.  

Dieser zweite Band ist ein würdiges Finale der ersten Reihe, voller Enthüllungen, spannender Charakterentwicklung und glaubhafter, großer Gefühle. Wie es sich für eine epische Geschichte gehört gibt es ein Wiedersehen mit vielen verloren geglaubten Wesen und eine unausweichliche, große Schlacht, die über das Schicksal der Elfen entscheidet. Diese Schlacht ist leider auch mein einziger, winziger Kritikpunkt am zweiten Band von ElfQuest. Denn auch wenn die zeichnerische Qualität über jeden Zweifel erhaben ist, fällt die Sequenz arg lang aus. Es liegt auch in der Natur der Sache, dass hier Action dominiert und nicht die großen Gefühle. Doch die sehr ähnlichen Rüstungen aller Elfenkrieger und die recht lange, dialogarme Passage sind nicht immer wirklich übersichtlich.

Aber das ist Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau. ElfQuest war mein erstes Fantasy-Comic und wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Und so wird es jedem gehen, der fantastische Geschichten und Zeichnungen mit Sprechblasen mag. Ganz unausweichlich. Ich freue mich sehr auf die nächsten Bände. Die breiten, illustrierten Buchrücken der ersten zwei Bücher machen schon jetzt richtig viel her, im Regal.

  • Autoren – Richard & Wendy Pini
  • Zeichnerin – Wendy Pini
  • Seitenzahl: 424
  • Verfügbar: 08.2015
  • Genre: Fantasy
  • Erscheint am 13.07.2015
  • Empfehlung: 13 Jahre +
  • ISBN: 978-3-8420-1693-4
  • 22,00 EUR

Rezensionsmuster – Hardcover – Zur Verfügung gestellt von Popcom (Tokyopop) – Herzlichen Dank!

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