Mjöllnir

Elfen, Zwerge und Trolle sind keine Erfindung von Tolkien. Ihren Ursprung haben sie in der nordischen Mythologie. Und Olivier Peru („Zombies“) holt die sagenumwobenen Wesen genau dorthin zurück – Nach Midgard.

Der kleine Zwerg Thor hat einen großen Namen. Benannt nach Odins Sohn, dem Gott des Donners will er nicht mehr sein als ein guter Vater und Krieger. Einige Zwerge seines Dorfes werden in einer Arena der Menschen gefangen gehalten. Zum Spaß der johlenden Massen werden sie dort von wilden Tieren und anderen Gladiatoren in Stücke gerissen. Als Anführer einer Rettungsmission stürmt der mutige Zwerg die Arena und bedroht den Fürst der Menschen, fordert ihn zum fairen Duell um seine Ehre und seinen Wert zu beweisen. Um Thor zu verspotten überreichen die Menschen dem Zwerg einen Hammer als Waffe für den Zweikampf – So wie ihn auch der Gott des Donners der Legende nach führt. Das Entsetzen aller Anwesenden ist groß, als mit dem ersten Hieb der Menschenfürst vom Blitz getroffen wird und tot umfällt.

Obwohl Thor nicht müde wird zu betonen, dass es sich nur um einen glücklichen Zufall handelte ist für alle Zwerge und Menschen längst klar – Im Körper des Zwergenkriegers wohnt Thor Odinson, der Gott des Donners. Dies führt sogar zu diplomatischen Bemühungen seitens der Menschen, die seit vielen Generationen keinerlei Respekt für das Volk der Zwerge mehr erübrigen wollten…

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Ich schreibe hier nun etwas, von dem ich hoffe, dass die feinen Leute vom Splitter-Verlag es genau so respektvoll verstehen, wie ich es meine. Ich bin mit amerikanischen Comics großgeworden. Frankobelgische Comics habe ich immer mit Asterix, Tintin oder Marsipulami assoziiert – Die ich alle nie schlecht fand, aber zu denen ich auch nie eine besondere Beziehung hatte. Ich bin sehr übersättigt was das Thema Fantasy angeht, da ich viele Jahre für eine Firma gearbeitet habe, die Fantasy-Spiele mit Zinnfiguren herstellt. Dort war ich permanent umgeben von Menschen, die alles an Fantasy in sich aufgesogen haben, egal wie gut oder schlecht es war. Wenn ein Zwerg oder Ork darin vorkam, dann habe ich davon erfahren, ob ich wollte oder nicht. Das führte dazu, dass ich – geleitet von Vorurteilen – lange einen recht großen Bogen um das Splitter-Regal in meinem lokalen Comic-Store gemacht habe. Denn so prachtvoll die vielen glänzenden, großen Hardcoverbücher auch aussahen – Ich hab überall nur frankobelglische Fantasy gesehen. Das ganze Regal sah für mich – wie ich heute weiß zu unrecht – furchtbar generisch aus.

Mit Mjöllnir habe ich mir bewusst eines dieser Bücher ausgesucht, die ich bis vor kurzem wahrscheinlich nie angefasst hätte. Darauf ist ein hell erleuchteter, gepanzerter Zwerg mit Axt und Schild zu sehen. Das habe ich nicht etwa gemacht, weil ich nach der vielen Lobhudelei mal etwas schlechtes über Splitter schreiben wollte, um meine „journalistische Glaubwürdigkeit“ zu behalten. Sondern um mich meinen Vorurteilen bewusst zu stellen. Und zwar jetzt. Nachdem ich „Freaks Squeele“, „Zombies“ oder „The Last Days of American Crime“ gelesen habe – Alles großartige, originelle Titel, die mir gezeigt haben, was ich bislang bei Splitter verpasst habe.

Das „Splitter Double“ (die Zusammenfassung zweier Bände in einem dickeren Hardcover) ist vor allem eines – Bildschön. Das Interieur von Mjöllnir lässt so manches Titelbild großer US-Veröffentlichung vor Neid und Scham erblassen. Der Detailgrad der Zeichnungen und der Kolorierung ist über jeden Zweifel erhaben. Und auch der Auftakt von Perus Geschichte ist richtig originell und erinnert mich ein wenig an die großartige Politsatire „Wag the Dog“, in der ein Soldat durch eine geschickte Medienkampagne zum Volkshelden gemacht wird. Was darauf aber insbesondere im zweiten Teil des Buches folgt sind vor allem opulente Schlachten und viele großartig gestaltete Verbeugungen vor klassischen Heldenmythen.

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Ich hätte mir von Herzen gewünscht, dass das originelle Spiel mit Thors tatsächlicher Identität länger und konsequenter verfolgt worden wäre, aber das ist eben mein persönlicher Geschmack. Ich werde gern überrascht und verwirrt (als wäre ich nicht schon verwirrt genug). Echte Fantasy-Enthusiasten sind da anders, die sind häufig liebevoll konservativ. Und auch wenn ich in der dritten Person spreche, habe eben auch ich jahrelang kleine Orks aus Zinn angemalt und Kitsch-Romane gelesen, auf denen das Airbrush-Gemälde eines Drachen zu sehen war. Das steckt auch in mir.

„Mjöllnir“ ist ein absolut fantastisch aussehendes Buch, mit einem tragischen, glaubhaftem Hauptcharakter, den man einfach gern haben muss. Die vielen brutalen Schlachten, die Ränkespiele der Adeligen Menschen und Zwerge sowie dramatische Kämpfe gegen riesige Monster sind nichts was ich nicht schon irgendwo gesehen oder gelesen hätte – Aber sie sahen noch nie so toll aus, wie auf diesen riesigen, dicken, hochwertig bedruckten Seiten. Und mal ganz ehrlich – Wer sich für ein Buch entscheidet, das „Mjöllnir“ heißt und auf dessen Titelbild ein Zwerg mit Axt und Schild posiert, der will genau das. Auch ich.

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  • Autor – Olivier Peru
  • Zeichner – Pierre-Denis Goux
  • Einband – Hardcover
  • 112 Seiten (inklusive Skizzen)
  • ISBN 978-3-86869-661-5
  • Erschienen am 01.02.2014

Rezensionsmuster – Hardcover – Zur Verfügung gestellt von Splitter – Herzlichen Dank!

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