Plants vs. Zombies – Sie wollen Dein Gehirn

Neben vielleicht noch den „Angry Birds“  ist wohl keines der zahllosen Handy- und Tabletgames so ikonisch und beliebt wie „Plants vs Zombies“ von Popcap. Der kurzweilige, niedliche Strategiespaß bietet einen leichten Zugang und viele taktische Finessen ohne sich zwangsläufig durch hunderte von „In-App-Purchases“ einen teuren Vorteil erkaufen zu müssen. Auch auf dem PC und fast allen Spielekonsolen tummeln sich die vermodernden Kopffüßler-Heinis und ihre putzigen, botanischen Gegenspieler. Was läge da näher als ein eigener Comic?

Als zwei Kanalarbeiter bei ihrer Arbeit im Untergrund von „Nachbarshausen“ eine Horde gehirnfressender Untoter befreien bricht das nackte Chaos in dem beschaulichen Städtchen aus. In diesem heillosen Durcheinander kreuzen sich die Wege der beiden Kinder Nate und Patrice, und sie stellen schnell Gemeinsamkeiten fest. Beide begeistern sich für absurde Kombinationen wie „Geisterpiraten“, „Ninja-Aliens“ oder „Raumfahrer-Cowboys“. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass die beiden sich natürlich nicht gern von den Zombies schnappen lassen möchten. Deshalb ist ihre nächste Station Patrices Onkel „Deppie“ Dave. Der konfus brabbelnde und offenbar nur begrenzt zurechnungsfähige Verschwörungstheoretiker und Hobbybastler hat nämlich von so ziemlich allem irgendwie Ahnung. Findet zumindest Patrice. Ob er aber mit seinem selbstgebauten, feuerspeienden Sperrmüll-Schuhsohlen-T-Rex oder seiner Windmaschine tatsächlich den mächtigen „Zomboss“ und seine etwas planlosen Schergen aufhalten kann, muss sich erst noch zeigen…

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Autor Paul Tobin konnte bereits reichlich Erfahrung auf dem Sektor familienkompatibler Comics sammeln. Sowohl die ebenfalls bei Cross Cult erhältlichen „Angry Birds“-Comics als auch viele Ausgaben der kindgerechten „Marvel Adventures“ gehen auf sein Konto. Diese Erfahrungen merkt man „Plants vs Zombies – Sie wollen Dein Gehirn“ ganz deutlich an. Die ursprünglichen Videospiele haben es in Sachen Jugendschutz sehr einfach. Nur Dave taucht dort in Zwischensequenzen auf und trifft niemals selbst auf die trotteligen Zombies. Und wenn diese an einer Sonnenblume mit Kulleraugen knabbern sieht das nun wirklich nicht besonders verstörend aus. Im Comic muss Tobin nun neue Wege finden seine für Kinder wichtigen Identifikationsfiguren unbeschadet und möglichst wenig bedrohlich durch eine Heerschar von Zombies zu begleiten.

Das gelingt ihm mit Bravour, da Nats und Patrices Abenteuer wie ein Spiel zwischen Kindern choreografiert sind und beide sich einen Spaß daraus machen, dass Ihre Walkie-Talkies nun zum Beispiel „Raumkommunikatoren“ sind. Treffen Zombies auf menschliche Figuren, machen diese zwar ein reichlich irritiertes Gesicht, rudern mit den Armen und rufen „Aaaaah“ – Aber es fließt kein Tropfen Blut und wird nie wirklich gruselig oder zu spannend.

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Ron Chan leistet dabei ganze Arbeit den charmanten Look der Spielevorlage umzusetzen und gemeinsam mit seinem Autor den harmlosen Humor von „Plants vs Zombies“ perfekt einzufangen, wiederzugeben und zu erweitern. Die bunte, flächig kolorierte und nur rudimentär schattierte Cartoonoptik steht sowohl den Zombies, als auch den Pflanzen ausgezeichnet und unterstützt gekonnt Paul Tobins Fingerspitzengefühl dabei, junge Leser an die Hand zu nehmen.

„Plants vs Zombies – Sie wollen Dein Gehirn“ ist entgegen seinem reißerischen Titel ein gefälliger Spaß für die ganze Familie. Anders als bei extremen, schnellen und lauten Cartoon-Serien wie „Spongebob Schwammkopf“ oder „Invader Zim“ hat man sich aber bewusst dagegen entschieden Erwachsenen chiffrierte, derbe Späße an ihren Kindern vorbei zu senden. Das macht überhaupt nichts, wenn man wie ich auch mal Spaß daran hat einen Pixar-Film zu schauen oder trotz seiner sehr jungen Zielgruppe Spaß am „Grüffelo“ hat. Ideal ist der Titel für die lieben Kleinen, die mit großen Augen auf Papis „Walking Dead“-Bände schielen und auch gern mal was mit Zombies lesen möchten. Wer aber schon etwas älter ist, seine Unterhaltung durchweg derb gestaltet und eher den Kanal wechselt wenn es mal zu niedlich wird, der sollte vielleicht lieber einen Blick auf einen der vielen anderen Titel von Cross Cult werfen. Bei „The Walking Dead“, „The Goon“ oder „Sin City“ wird man schnell fündig, wenn es zur Sache gehen soll.

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  • Autor – Paul Tobin
  • Zeichner – Ron Chan
  • Erschienen am – 20.12.2013
  • Format – 17x26cm, 4farbig
  • Seiten – 80
  • Einband – Paperback
  • Preis – 9,80 
  • ISBN 978-3-86425-373-7
  • Genre – Humor/Kids

Rezensionsmuster – Paperback, zur Verfügung gestellt von Cross Cult – Herzlichen Dank!

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