Harley Quinn 4 – Harley Quinn und Power Girl

Noch ein langes, schmerzhaftes Jahr müssen wir warten, bis Harley Quinn gemeinsam mit der „Suicide Squad“ deutsche Leinwände in Brand setzen wird. Versüßen wir uns die Wartezeit doch mit einem neuen Sammelband aus ihren irrwitzigen, völlig überzogenen Comedy-Abenteuern, die DC bewusst aus der eigentlichen Kontinuität des DC-Universums ausgegliedert hat. Die von der Clown-Prinzessin hinterlassenen Kollateralschäden wären dort absolut nicht tragbar…

Ein Hilferuf ereilt Harley Quinn – Ihre wirklich sehr enge Freundin Poison Ivy ist offenbar in der Arkham Anstalt inhaftiert worden. Während des turbulenten Rettungsversuches stellt der weißhäutige Wirbelwind schnell fest, dass Ivy offenbar unter Drogen gezwungen wird an wissenschaftlichen Experimenten mitzuwirken. Durch das beherzte Eingreifen der Titel-Antiheldin wird ein halluzinogenes Gas freigesetzt, das alle Anwesenden auf einen selbst für die Verhältnisse dieser außerordentlichen Comic-Reihe irrsinnigen Trip durch verschiedene Traumwelten und… Zeichenstile schickt?

Gleich im Anschluss an die Handlung der alleinstehenden Annual-Ausgabe geht es in den nächsten Story-Zyklus der eigentlichen Reihe. Wir erinnern uns – Am Ende von Band 3 fiel Superheldin „Power Girl“ bewusstlos vom Himmel und blieb reglos in einem beachtlichen Krater liegen. Harley Quinn ergreift nun die missliche Lage der offensichtlich unter Amnesie leidenden Dame und redet ihr ein, die beiden seien ein Duo von Verbrechensbekämpferinnen.

Das erste Abenteuer des ungleichen Teams führt DCs wohlgeformte Damenwelt auf eine gemeinsame Shopping-Tour, bei der das Einkaufszentrum in einen Kriegsschauplatz verwandelt wird. Auf Verbrecherjagd in den Central Park, zur Darbietung in einer Freakshow. Und zu guter Letzt auf eine interdimensionale Reise bei der sie einer riesigen, sprechenden Dogge helfen, die aus Beziehungsfrust kurz zuvor seine außerirdische Ehefrau aufgefressen hat und den bösartigem „Manos“ seine „Infinity Ringe“ stehlen. Klar soweit?

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Amanda Conner und Jimmy Palmiotti sprühen vor Situationskomik und dem unvergleichlichen Talent ihren oft anrüchigen und brachialen Humor genau an der richtigen Stelle der Fantasie ihrer Leser zu überlassen, statt sich die Blöße zu geben ihre Sauereien selbst auszuformulieren. Das sorgt dafür, dass die großartige „Harley Quinn“-Reihe trotz all ihrer anarchischen Grenzübertretung immer sehr charmant und merkwürdigerweise auch stilvoll wirkt.

Man merkt das Künstler Chad Hardin nicht nur ein großer Verehrer der weiblichen Anatomie ist, sondern dass er vor allem viel Spaß daran hat, das enge, künstlerische Korsett dass große, kommerzielle Superhelden-Comics für Künstler leider oft mit sich bringen einfach abzustreifen. Statt die kurzen, humoristischen Episoden der Joker-Gespielin in schlichter, deutlich schneller zu realisierender Cartoon-Optik zu präsentieren, hat man mit Chad Hardin einen großartigen, detailverliebten Künstler engagiert, der bereits für zahlreiche Marvel- und DC-Hefte die Zeichenfeder schwingen durfte. Mit Harley Quinn hat Hardin nun endlich eine Serie, deren Größe seinem Talent gerecht wird. Chad wird übrigens auch auf der Comic Action 2015 in Essen zeichnen und signieren. Na dem bring ich doch glatt meine „Harley Quinn“-Bände vorbei!

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Mit „Harley Quinn und Power Girl“ erreicht DCs urkomische Antwort auf Marvels „Deadpool“ neue Höchstwerte auf der Irrsinnsskala. Mit bissigem Humor, exzellentem, grellem Artwork und einer Armada an kreativen Ideen, mit der andere, profilierte Comicreihen vier bis fünf Bände füllen würden. Wer es nur ernst, episch und anspruchsvoll mag, wird hier sicher nicht seine Zelte aufschlagen. Aber solche Langweiler lesen meinen Blog eh nicht. Für alle Anderen Comicfreunde, auch und gerade für Superheldenmuffel ist „Harley Quinn“ Pflichtprogramm und knallige, kurzweilige Unterhaltung.

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  • Erschienen am –  11.08.2015
  • Seiten – 116
  • Format – Softcover
  • Original-Storys –  Harley Quinn 11-13, Harley Quinn: Annual 1
  • Autoren – Amanda Conner, Jimmy Palmiotti
  • Zeichner – Chad Hardin, John Timms
  • Preis: 12,99 €

Rezensionsmuster – Softcover, zur Verfügung gestellt von Panini – Herzlichen Dank!

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