Warship Jolly Roger 1 – Ohne Wiederkehr

Meine Leidenschaft für Comics geht Hand in Hand mit meiner Liebe für leider fast ausgestorbene 2D-Animationsfilme. Kürzlich erschien bei Splitter ein ernstes, derbes Sci-Fi-Epos dessen Optik die sich nicht hinter visuellen Kino-Perlen wie „Titan A.E.“ oder „Heavy Metal FAKK 2“ zu verstecken braucht. Daher war es natürlich schon bei den ersten Vorschaubildern auf der Splitter-Homepage Liebe auf den ersten Blick zwischen „Warship Jolly Roger“ und mir.

In einer fernen Zukunft befindet sich die Galaxie fest im Würgegriff des despotischen Präsidenten Vexton. Vor einigen Jahren hatte dieser seinen General Jon Tiberius Munro angewiesen einen Aufstand mit brutaler Waffengewalt zu beenden. Ganz wissentlich obwohl dieser Schlag zahllose, unschuldige Opfer bedeutete. Um die damit zwangsläufig einhergehende Negativpublicity von sich abzuwenden folgte Vexton der Idee seiner Beraterin Rebecca. Er behauptete die Tragödie sei ein nicht autorisierter Alleingang Munros gewesen und ließ ihn von einem Militärgericht zu 173 Jahren Haft verurteilen.

Zurück in der zukünftigen Gegenwart nutzt der ergraute Munro gemeinsam mit einigen Mitinsassen die Verwirrung um einen politisch motivierten Anschlag auf ihr Gefängnis um auszubrechen. Ein stummer Waisenjunge, eine vermeintliche Jung-Terroristin und der verschlagene Kowalski bilden nun gemeinsam mit Munro ein skurriles Fluchtkommando. Obwohl der riskante Ausbruch ihn ein Auge kostet fasst Jon nun einen selbstmörderischen Plan. Er will das Fluchtschiff auf einem nahen Planeten umlackieren und modifizieren lassen, um sich unbemerkt Zugang zum Schiff des Präsidenten zu verschaffen. Aber der findige Militärstratege plant weit mehr als bloß einen simplen Mord aus Rache…

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Obwohl die lebendigen, reizvollen Charaktere und die nihilistische Atmosphäre von „Warship Jolly Roger“ von seinem großen, schreiberischen Talent zeugen bleibt Autor Sylvain Runberg nicht viel Platz im Rampenlicht neben Künstler Miki Montlló (mit dem ich kürzlich ein Interview geführt habe). Sein opulenter Cartoonstil scheint nicht einem Comicband, sondern direkt der großen Leinwand mit ihren aufwändigen Trickfilmen der Neunziger Jahre entsprungen zu sein. Es ist kaum zu fassen, dass Montllós Umgang mit Licht und Farbe sowie seine exzellenten, ausdrucksstarken Zeichnungen ein Gesamtbild erschaffen, dass sich ohne Frage mit Don Bluths Trickfilmklassikern messen kann. Der Unterschied ist, dass nicht zehn oder zwanzig Künstler mit dem Design und der Durchführung von „Warship Jolly Roger“ betraut waren, sondern nur Montlló allein, der jeden neuen Kugelhagel und Faustkampf zu einem einmaligen Erlebnis macht.

Natürlich reichen die 56 Seiten des ersten Bandes höchstens aus, um die Figuren von „Warship Jolly Roger“ erst einmal auf dem Spielbrett zu platzieren. Trotzdem zeichnet sich bei jedem einzelnen der vier Flüchtlinge bereits jetzt wahnsinnig viel erzählerisches Potential ab. Am liebsten will ich sofort wissen, was es mit dem Kampfdroiden des schweigsamen Jungen auf sich hat, was genau die mysteriöse „Terroristin“ wirklich verbrochen haben soll und natürlich auch was Sylvain Runberg noch für Kowalski, Munro und nicht zuletzt auch für den diablolischen Bösewicht Vexton in Petto hat.

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„Warship Jolly Roger“ ist für mich persönlich einer der bislang künstlerisch beeindruckendsten Comicbände, die ich für DeinAntiHeld.de rezensieren durfte. Die spannende Weltraum-Hatz bietet nicht nur authentische Charaktere, ausufernde, harte Actionsequnzen und überraschende Storytwists, sondern ist eine absolute Referenz für die stimmungsvolle Nutzung von Farben und Licht in einer eigentlich sehr flächige , reduzierten Bilderwelt. Kein Wunder, dass Künstler Montlló regelmäßig Seminare zu genau diesem Thema gibt. „Warship Jolly Roger“ ist actiongeladene, absolut erstklassige Feinkost für die Augen. Und deshalb auch völlig verdient mein neuer „Comic des Monats“.

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  • Autor – Sylvain Runberg
  • Zeichner – Miki Montlló
  • Einband – Hardcover
  • Seiten – 56
  • Band 1 von 4
  • ISBN 978-3-95839-113-0
  • Erschienen am – 01.09.2015
  • Preis – 14,80€

Rezensionsexemplar – Hardcover, zur Verfügung gestellt von Splitter – Herzlichen Dank!

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