Feuer und Stein 4 – Predator

Da ist es nun, das große Finale der „Feuer und Stein“-Saga. Im Stile eines klassischen Westerns gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit dem ruchlosen Söldner Galdo und dem mysteriösen Planeten LV223 – Endlich bekommen auch Fans der Predatoren, der außerirdischen Großwildjäger, was sie sich erhofft haben!

SPOILER ALERT!!! – Es ist schlicht nicht möglich „Feuer und Stein – Predator“ zu rezensieren, ohne dabei auch Geschehnisse aus den ersten Bänden vorwegzunehmen!

Nachdem Galdo seine Crew im ersten Band feige zurückließ konnte er nur mit Mühe dem außer Kontrolle geratenen Androiden Elden eine Waffe der geheimnisvollen Konstrukteure entreißen. Diese Waffe sollte eigentlich ihm und seinen beiden Kumpanen eine ertragreiche Ankunft und einen wohlsituierten Lebensabend auf der Erde bereiten. Aber natürlich denkt der feige und gierige Galdo nicht daran zu teilen.

Da kommt es sehr gelegen, dass einer der außerirdischen Jäger, die den Männern bereits zuvor begegneten an Bord ist und unter Galdos tatkräftiger Unterstützung die Mannschaft dezimiert. Nur vor Galdo selbst macht der Predator halt. Offenbar will das Wesen zurück nach LV223, um einen der blauhäutigen Konstrukteure zu erlegen. Und der Söldner soll nun sein Köder sein.

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Es ist schon interessant zu beobachten wie „Feuer und Stein“ mit jedem neuen Band auch ein neues Genre, eine neuen Erzählweise aufgreift. Nach dem Schatzjägerexpedition in „Prometheus“, den Gestrandeten in „Aliens“ und der „Frankenstein“-Adaption in „AvP“ ist nun ein klassischer Western mit ein wenig „Moby Dick“ an der Reihe.

Galdos ganz offensichtliche Anlehnung an Tuco aus „Zwei Glorreiche Halunken“ ist nur der Auftakt für einen Coup, bei dem zwei Schlitzohren einem gemeinsamem, mächtigem Gegner das Handwerk legen wollen – Aus ganz unterschiedlichen Motiven.

Mit dem vierten und letzten Band von „Feuer und Stein“ wird endgültig klar, welch große kreative Mühen hinter dem Crossover-Event steckt. Statt einfach solide, erzählerische Stereotypen vom Fließband laufen zu lassen und schnelles Geld zu verdienen, hat man sich bei Dark Horse entschieden künstlerisch und erzählerisch völlig verschiedene Inseln zu schaffen und diese abschließend miteinander zu verbinden.

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Der Zeichenstil von Christopher Mooneyham (Five Ghosts) in der Predator-Storyline ist eine gelungene Mischung aus zackiger, grober Tusche wie aus der Feder von Großmeister Somon Bisley und schicker 90s-Marvel-Inszenierung. Das passt wie die Faust aufs Auge zur ruppigen Großwildjagd. Autor Joshua Williamson verschafft dem Leser vor der epischen und ernsten „Omega“-Abschlussepisode kurzweilige und leichte Unterhaltung zum durchatmen. Im Vorbeigehen erschafft er mit „Ahab“ die für mich bis jetzt medial übergreifend großartigste Inszenierung eines Predators. Allerdings muss ich auch zugeben. Dass ich vor „Feuer und Stein“ noch keine Predator- oder AvP-Stories gelesen habe. Die Messlatte liegt nun trotzdem sehr hoch.

Mit besagter „Omega“-Abschlussepisode, die Cross Cult Fan- und Geldbeutelfreundlicher Weise gleich mit im „Predator“-Band verstaut haben, werden endlich alle offenen Fäden miteinander verbunden. Agustin Alessio inszeniert das Finale mit extrem opulenten und prachtvollem Malereien, die es schaffen über den ausbleibenden Climax und Eldens schwer nachvollziehbare Kehrtwende hinwegzutrösten.

Man hätte mit dem Event „Feuer und Stein“ einfach in Tradition von Marvel und DC altbewährtes aufkochen und ansprechend präsentieren können. Diese Comics hätten sich bestimmt ganz von allein verkauft. Aber stattdessen ist man Wagnisse eingegangen, die sich bezahlt gemacht haben. Die Wechsel in Stimmung und Stil zwischen den Bänden sind ein Zugeständnis an den eigenen, künstlerischen Anspruch und nicht an Verkaufszahlen. Eine solche Herangehensweise an ein vermutlich nicht ganz billiges Lizenzprojekt verdient meinen tiefen Respekt und entschuldigt die gelegentlichen Längen und Ungereimtheiten. So viel Liebe und wilde Kreativität findet man sonst eigentlich eher in Indie-Comics oder traditionell experimentierfreudigeren, europäischen Produktionen. Kein Fan der Aliens, Predatoren oder Konstrukteure sollte sich die vier bei Cross Cult erschienenen Paperbacks entgehen lassen!

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  • Künstler – Christopher Mooneyham, Agustin Alessio
  • Autor – Joshua Williamson, Kelly Sue DeConnick
  • Erschienen – 28.09.2015
  • Format – 17x26cm, Paperback, 4farbig
  • Seiten – 144
  • Preis – 16,80 
  • ISBN – 978-3-86425-682-0
  • Genre – Science-Fiction

Rezensionsmuster – Hardcover, zur Verfügung gestellt von Cross Cult – Herzlichen Dank!

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