Moby Dick

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Copyright © 2015 by Christophe Cahbouté

Was die Anzahl der künstlerischen Neuinterpretationen angeht werden wohl nur wenige Werke der klassischen Literatur in der selben Liga wie „Moby Dick“ von Herman Melville spielen. Die jüngst bei Egmont erschienene Graphic Novel des Franzosen Christophe Chabouté bleibt inhaltlich stets dicht am Puls des legendären Abenteuerromans und erzählt die zeitlose Geschichte des rachedurstigen Kapitäns Ahab, der sein Bein und seinen Stolz an einen gewaltigen, weißen Pottwal namens Moby Dick verlor. Wie bereits in der Vorlage wird die Geschichte aus Sicht des jungen Ismael erzählt, der gemeinsam mit dem furchteinflößenden, aber warmherzigen Queegqueg auf dem Walfangschiff „Perquod“ anheuert. Die anfängliche Abenteuerlust und Euphorie schwenkt jedoch schnell in desillusioniertes Entsetzen um, als niemand an Bord es mehr vermag Ahabs fanatischen, unheiligen Kreuzzug noch aufzuhalten…

Mit einer exzellenten Kombination aus stilvollen Kaligraphien von Romanzitaten und dynamischen, modernen Tuschzeichnungen entführt „Moby Dick“ seinen Leser tief in den Abgrund von Ahabs Seele und in die Ängste der schutzlos ausgelieferten Crew. Feinfühlig und subtil positionierte, komische Momente heben die Graphic Novel klar von verkopften und trockenen Graphic Novels ab, die über ihren künstlerischen Anspruch manchmal die Relevanz von flüssiger Lesbarkeit oder Unterhaltung außer Acht lassen.

Die genau richtig gewählte Textdichte lässt Chabouté viel Spielraum für seine ausdrucksstarken, grafischen Sequenzen die mit Bände sprechender Mimik und kunstvollen Radierungen glänzen. „Moby Dick“ bietet vor allem Kunst und Kultur, reduziert aber bewusst auf das wesentliche, um sich dann auf die fesselnde und authentische Erzählung zu konzentrieren. Ein besonderer Applaus gilt dabei dem vielschichtig beschriebenen Verhältnis zwischen Ahab und seinem Maat Starbuck, das alle Nuancen zwischen Hass, Wut, Angst aber auch Sorge und Freundschaft auslotet. Genau wie bei der Ausgestaltung des Hapunierers Queegqueg lotet Chabouté dabei alle Möglichkeiten seiner Kunstform aus, um in mächtigen, wortlosen Panels Eindrücke zu vermitteln, für die Melville mehrere Seiten zur Verfügung standen.

Wer sein eigenes Handwerk so vortrefflich versteht und dabei der neu interpretierten Vorlage so deutlichen Respekt zollt, verleiht dem Medium Comic damit viel Klasse und Stil. Herzlichen Dank, Herr Chabouté.

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Copyright © 2015 by Christophe Chabouté

  • Autor und Zeichner – Christophe Chabouté
  • Preis – € 29,99
  • Seitenzahl – 256
  • Farbigkeit – schwarzweiss
  • Buchform – gebunden
  • Erhältlich bei Egmont