The Walking Dead 24 – Leben und Tod

Jahrelang hat Rick Grimes seine Familie und Weggefährten durch eine von Untoten überrannte Endzeitwelt geführt und dabei viele von ihnen verloren. In Alexandria scheint man endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Fast hat es den Anschein, als könnte hier die menschliche Zivilisation neu entstehen. Nur der zynische und bösartige Negan zeugt noch von den Schrecken, die auch Menschen einander sich auf diesem Weg zugefügt haben. Als Mahnmahl für diese Zeit und als vermeintlicher Beweis für den Sieg der Menschlichkeit sitzt er in einem improvisierten Gefängnis ein. Nicht einmal Mörder sollen mehr für ihre Verbrechen sterben müssen, wenn es nach Rick geht. Maggie, die eine andere Siedlung anführt entscheidet aber anders – Nachdem der intrigante Gregory versucht hat, sie zu ermorden und sich so die Vorherrschaft zu sichern, will sie ein Exempel an ihm statuieren.

Ricks Sohn Carl ist der jungen Lydia inzwischen in das Lager ihrer Leute, der „Flüsterer“ gefolgt. Die Gruppe hat dadurch überlebt, dass sie sich gänzlich auf ihre Instinkte verlässt, Gefühle und Moral sollen keine Rolle mehr spielen. Unter der Leitung von Lydias eiskalter Mutter Alpha soll so das Überleben der Menschheit gesichert werden. Um jeden Preis…

Es ist wirklich erstaunlich, zu beobachten wie Robert Kirkman und Charlie Adlard seit nun zwölf Jahren ihren Welterfolg immer wieder neu erfinden. Der große Zeitsprung hat der Serie unglaublich gut getan und „Leben und Tod“ beweist nun, dass man weit davon entfernt ist sich wiederholen zu müssen. Der große Keil der zwischen Maggie und Rick getrieben wird, bietet Nährboden für reichlich spannende Entwicklungen und neben der beängstigend gefühlsleeren Alpha vergnügt sich Fiesling Negan mit hinterhältigen Psychospielen aus dem Off.

Negan ist auch der ideale Beweis für die großartige Übersetzung aus dem Hause Cross Cult. Sachliche Dialoge zu übersetzen ist schlichtes Handwerk. Aber die bildgewaltige und bedrohliche Gossensprache des wahnsinnigen Rocker-Präsi braucht viel Talent, um sie am Ende nicht lächerlich oder gestelzt wirken zu lassen. Bravo.

Vermutlich könnte man die Cash-Cow „Walking Dead“ ohne großen Aufwand noch bequem für fünf bis zehn Jahre melken. Die kreative Energie zu beobachten, mit der Kirkman trotzdem sein Lebenswerk hegt und pflegt, ist pures Vergnügen. Auch Künstler Charlie Adlard hat sich im Laufe der mitlerweile fast 150 Ausgaben konsequent weiterentwickelt und transportiert Freude, Leid und blanke Panik auf das Papier. Lange war wohl kein Moment in einem Comic mehr so intensiv wie die entsetzliche Doppelseite kurz vor Ende von “Leben und Tod“.

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