Benjamin – Bd.1-3

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Es ist früher Morgen, der Wecker hat dich soeben aus deinem tiefen Schlaf gerissen und dich wenig zärtlich dazu aufgefordert, hinaus in die Kälte zu gehen. Hinaus in den stressigen Berufsverkehr, zu den gereizten Mitleidenden, in Gedanken bist du nur bei der versäumten Tasse Kaffee am Frühstückstisch. Angekommen auf der Arbeit, gehst du dann deiner Acht- bis Zehnstundenschicht nach, um dich im Anschluss noch viel erschöpfter den restlichen Verpflichtungen des Alltags zu widmen. Etwas schwarzmalerisch, das gebe ich zu, doch jeder hat einmal einen schlechten Tag.

Und da sind diese kleinen Momente, vielleicht ein flüchtiger Gedanke, in denen man sich einfach nach der Ferne sehnt. Nach einem friedlichen Ort, mit dem man unbeschwerte Gefühle aus frühster Kindheitserinnerung verbindet. An den einen Ort, wo man die Welt noch einmal durch die Augen eines Kindes sehen kann – Willkommen bei „Benjamin“.

Benjamin ist ein aufgewecktes, kleines Kerlchen mit zerzaustem Haar. Mit offenen Augen stapft er durch seine ganz eigen ausgelegte, besondere Welt. Er geht auf Entdeckungstouren mit seinem steten Begleiter, einer kleinen Schnecke, widmet sich ausgefallenen Erfindungen und allem voran seiner ganz besonderen Zuneigung zum Mond. Der kleine Entdecker lässt auf seinen Reisen keinen Gedanken unausgesprochen und gibt sich seinen Ideen mit einer so großen Hingabe hin, wie es wahrlich nur ein Kind tun würde. Von der Erkundung des Mondes über die Reise zu den Sternen und seines ganz besonderen Augensterns – die vielen Expeditionen sind an Einfallsreichtum kaum zu übertrumpfen.

Der herrlich zynische Schneckenkumpel als Stellvertreter der Erwachsenen erinnert uns immer wieder daran, was uns eigentlich davon abhält, noch einmal wie ein Kind zu denken. Der dabei so sympathisch-naive und dennoch hoch philosophische Humor sollte dann auch den letzten Zweifler auf die Seite des kleinen Struwwelpeters schlagen. Die aufkommende Assoziation zum Klassiker „Hans Guck-in-die-Luft“ dürfte in Verbeugung vor den Werken Heinrich Hoffmanns geschehen sein. “Wenn der Hans zur Schule ging, Stets sein Blick am Himmel hing.“

Ganz besonders beeindruckend ist es natürlich, wenn ein so großartiges Werk aus einer einzigen Feder stammt. Künstler und Autor Alberto Varanda schickte Benjamin ganz alleine auf die surrealen Ausflüge in wunderbarer, zarter Serpia-Kolorierung. Die hübschen Hardcover-Bände lassen einen zudem mehr an ein klassisches Bilderbuch, als an ein modernes Comic denken und die liebevoll naiv-verspielten Zeichnungen, die an eine Gute-Nacht-Geschichte aus Kindheitstagen erinnern, runden das Ganze noch einmal wunderbar ab. Ich bin sehr gespannt auf den vierten Band des kleinen Quälgeists und seiner stinkstiefeligen, kleinen Schnecke. Und ich hoffe zudem sehr, dass er noch lange an seiner Kindheit festhalten wird.

  • Benjamin angelt sich den Mond, Bd.1 / Benjamin fliegt zu den Sternen Bd.2/ Benjamin findet seinen Augenstern
  • Autor & Künstler: Alberto Varanda
  • Hardcover
  • je 52 Seiten
  • je 15,59€
  • Erhältlich bei toonfish (Splitter)

Coypright © 2016 by Alberto Varanda
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