Pinocchio

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Wer kennt es nicht, das kleine, sagenumwobene Holzpüppchen von dem selbst die Großeltern einst Geschichten erzählten? Eine Marionette, die eigenhändig und voller Leidenschaft von einem armen, alten Mann gefertigt wurde. Nichtsahnend, dass dieses Stück Holz verzaubert war und seinen sehnsüchtigsten Wunsch erfüllen sollte, legte sich der alte Greis von seinem Tageswerk völlig erschöpft zu Bett. Als ihn am nächsten Morgen eine aufgeregte Jungenstimme aus dem Schlaf reißt und er endlich nicht mehr allein ist, beginnt die Geschichte der frechen, kleinen Holzpuppe, namens Pinocchio.

So sehr sich der gutherzige Geppetto auch über seine neue Vaterrolle freut, so schnell belehrt ihn der kleine Wicht auch eines Besseren. Pinocchio ist ein unverbesserlicher Tunichtgut und bereitet seinem Vater nichts als Kummer. Der kleine Holzkopf verrennt sich von einem Schlamassel in den nächsten, mag nicht lernen und schon gar nicht arbeiten. Gerade noch auf dem Weg zur Schule, findet er sich schnell zwischen Gaunern und Banditen wieder.

Krank vor Kummer begibt sich Geppetto auf die Suche nach dem Lausbub, bis er schließlich samt eines Segelfloßes im Magen eines hungrigen Seeungeheuers landet. Fortan setzt das kleine Männlein alles daran, seinen geliebten Papa wiederzufinden. Selbst wenn das bedeuten soll, dass es vielleicht kein Zurück mehr geben wird…

Die Geschichte von Pinocchio, geschrieben 1881 von Carlo Collodi, gibt es mittlerweile in sehr vielen Formen. Doch alle handeln vom Gehorsam, dem Anderssein und der unbelehrbaren Naivität eines Kindes. Neben dem 1940 erschienenen Walt-Disney-Klassiker erschufen Autor David Chaunel und Künstler Tim McBurnie mit dieser Comic-Interpretation einen weiteren Meilenstein.

Die bedrückte und leicht düstere Stimmung begleitet den Leser gleich von der ersten Seite an. Wie es der tollpatschige Taugenichts immer wieder schafft, sich von einer Gefahr in die nächste zu begeben, sollte auch den härtesten Leser nicht kalt lassen.  Zum Glück sorgen die wunderschönen Zeichnungen von Künstler David Chauvel für einen wohltuenden Ausgleich. Die Fülle an Details und das herzige Design der kleinen Puppe zeugen von großer Leidenschaft. Und so schrecklich Pinocchios Reise auch sein mag – das naive Holzmännlein strotzt nur so vor Optimismus und ist einfach hinreißend. Wie soll man ihm schon etwas wirklich übelnehmen, wenn es mit seinem grünen Papier-Cape so dasteht?

Coypright © 2016 by Tim McBurnie & David Chauvel
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