Ernest und Rebecca Bd.1-4

deineantiheldinsidebar

Rebecca ist genervt. Als würde es nicht reichen, dass sich ihre Eltern am laufenden Band anschreien, ihre Schwester tief in der Pubertät steckt und wirklich niemand mit ihr spielen will – nein, die kleine Rotznase ist auch noch ständig ans Bett gefesselt, da sie an einer doofen Immunschwäche leidet. Und wie sie leidet! Am meisten unter den ständigen Terroranschlägen von Dr. Fakbert, der ihr regelmäßig dieses fiese Rachenstäbchen in den Hals steckt, an dem sie eines Tages noch einmal ersticken wird. Als würden die täglichen Tabletten und Säfte nicht reichen…

Und wie sie so von den Windpocken in die nächste Grippe rutscht und trotz allem die ganze Familie auf Trab hält, fängt sich der kleine Terrorzwerg eines schönen Tages nicht einfach eine weiterer Krankheit, sondern einen ganz besonderen Zeitgenossen ein. Ein blaues Wesen, das an einen riesigen Molch erinnert und das ihr Leben für immer verändern sollte – Eine Mikrobe Namens Ernest. Es dauert nicht lange und die beiden werden beste Freunde. Zusammen schmieden sie tolle Pläne, um die drohende Trennung der Eltern zu verhindern und setzten fortan alles daran, endlich wieder Frieden zu stiften. Damit sich ihre Eltern wieder lieb haben und Rebecca sich nicht mehr entscheiden muss, wem von beiden sie nun als erstes auf den Zeiger gehen kann.

Vordergründig ist „Ernest und Rebecca“ ein eher lustiges Abenteuerbuch, das durch seinen niedlichen Zeichenstil niemals ein wahres Familiendrama vermuten ließe. Doch wer zwischen den Zeilen zu lesen beginnt, merkt sicherlich schnell, dass viel mehr dahinter steckt. Der Autor Guillaume Bianco behandelt hier ein sehr ernstes und aktuelles Thema verpackt in rosaroter, wirklich entzückender Kinderoptik von Antonello Dalena. Alleine die These, dass ihr Mikrobenfreund nur bei ihr sein kann, solange sie fiebert und sich die Sechsjährige somit immer wieder ganz bewusst ungesunden Situationen aussetzt, zeugt von einem sehr zerrissenen Wesen.

Doch auch wenn die einzelnen Situationen sehr zum Nachdenken anregen, so sollte man den Charm der kleiner Protagonistin nicht unterschätzten. Der Ideenreichtum des imaginären Mikroorganismus ist einmalig.  Man kann gar nicht anders als ständig zu schmunzeln. Kinder vermögen es eben, sich auch in den schwierigsten Situationen zurecht zu finden und daraus spannende, unvergessliche Abenteuer zu gestalten. Die Zeit, die die süße Rebecca im dritten Band auf dem Land, bei ihren geliebten Großeltern verbringen darf, lässt uns wieder an das Gute im Menschen glauben. Insbesondere diese Episode ist absolut hinreißend und zeigt einmal mehr, wie einfach ein Kinderherz doch am Ende zum Lachen zu bringen ist.  Mein persönlicher Favorit. Auch in Band vier geht es immer weiter Berg auf. „Ernest und Rebecca“ ist also durchaus mit Freude zu genießen, auch wenn dabei ein leicht bitterer Nachgeschmack zurückbleibt.

  • Ernest & Rebecca Bd. 1-4
  • Autor: Guillaume Bianco
  • Künstler: Antonello Dalena
  • Hardcover
  • Je 47 Seiten
  • Je 9,95€
  • Erhältlich bei Tokyopop

Copyright © 2016 by Guillaume Bianco & Antonello Dalena
Bildschirmfoto 2016-01-31 um 11.52.27