Rachel Rising Bd.6 – Was du nicht weißt

Der Dämon Malus hat die Kleinstadt Manson fest in seinem Griff und will seine teuflische Saat der kleinen Zoe einpflanzen. Der Nebel, der den Tod und die Rückkehr der jungen Rachel so lange umgab, scheint sich endlich zu lichten. Nun gilt es also, alte Feindschaften und Differenzen beizulegen, um mit vereinten Kräften dem unausweichlich scheinenden Ende der Welt entgegen zu treten. Nur sagt sich das leichter als getan, denn im Laufe mehrerer Jahrhunderte und Lebenszyklen boten sich viele Gelegenheiten, einander unverzeihliche Dinge anzutun…

Anfänglich wahnsinnig aufregende und mitreißende Mystery-Konzepte kranken oft daran, immer neue Fragen aufzuwerfen, als Antworten zu liefern. Insbesondere in zunächst nicht geschlossen verfassten Fernseh-Skripten wie bei „Lost“ oder „Akte X“ macht sich so früher oder später große Ernüchterung breit, werden die oft aus der Phantastik stammenden Geschichten immer wirrer und widersprüchlicher.

So muss man es wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinnehmen, dass Terry Moore, der Künstler hinter „Rachel Rising“ und „Strangers in Paradise“ seine Skripte stets in sich abgeschlossen verfasst. Der nun vorletzte Band fesselt von der ersten bis zur letzten Seite mit seiner bewährten Mixtur aus tiefsinniger Poesie und augenzwinkerndem, bissigem Humor.  Dabei beginnt der sympathische Indie-Star aus Texas nun akribisch, seine offenen Handlungsstränge aufzulesen und fest miteinander zu verknoten, um seine Leser auf das epische Ende aller Tage vorzubereiten.

Erstaunliche Story-Wendungen, ergreifende, herrlich unkitschige Romantik und die charakteristischen, morbid-zynischen „Rachel-Momente“ sorgen für eine Achterbahnfahrt von Halbfinale, die all ihren hohen Erwartungen gerecht wird. Moores wunderschöne, schwarzweiße Zeichnungen beweisen dabei einmal mehr, wie dekorativ und gefällig wahre Comic-Kunst sein darf, ohne sich dabei mit plakativen Atombrüsten und publikumswirksamer, platter Gewalt auszuverkaufen.

Wer anspruchsvolle Freunde aufwändiger Fernsehserien von der erzählerischen Kraft des Comic-Mediums überzeugen will, der sollte vielleicht mal den ersten Band von „Rachel Rising“ verschenken. Am besten noch bevor die brillante Okkult-Antisoap den Sprung auf den Fernsehbildschirm schafft…