Lobo: Megaband 1

Lobo ist der letzte seiner Art. Einst war er der Leibwächter des Herrschers von Czarnia, einer stolzen Welt, die dem Wahnsinn und der Gewalt zum Opfer fiel. Er trägt Schuld am Niedergang seines Volkes und seiner Heimat, da ist sich der eiskalte Kopfjäger ganz sicher. Heute durchstreift er das Universum auf der Suche nach Klienten, die seine speziellen Talente in der… „Ungezieferbekämpfung“ meistbietend in Anspruch nehmen wollen. Doch ob er will oder nicht: Die Vergangenheit holt ihn wieder und wieder ein…

Es ist nicht mehr viel übrig, vom kultverdächtigen, pöbelnden, saufenden und grapschenden Biker-Proll „Lobo“, einer der großen Antiheld-Ikonen der Neunziger. Aus geschäftlicher Sicht machte der Reboot der Figur dabei sicher Sinn, denn obwohl der Metal-Freak mit dem Fleischerhaken offiziell zum DC-Heldenkanon gehörte, lies sich der sehr humoristische Charakter mit der treuen, aber vergleichsweise übersichtlichen Fangemeinde nur sehr schwer in die eher schwermütig-epische Storyline des Verlags integrieren. Also ging die Figur zurück ans Reißbrett und wurde als schnittigere, deutlich jüngerere aber eben auch weniger anarchische Version mit kurzem Haar und Nassrasur neu erfunden. Was folgte war ein wütender Internet-Aufschrei der Stammleserschaft, die sich mit den rustikalen Worten ihres geliebten Retro-Czarnianers über seine „weibische und verweichlichte“ (tatsächliche Äußerungen aus Jugendschutzgründen geändert) Neufassung hermachten. Hat der neue Lobo das nun tatsächlich verdient?

Jein. Die im neuen Megaband von Panini vollständig vorliegende Heftreihe ist zuerst harte, zynische Weltraumaction, die besonders Freunden der neuen „Guardians of the Galaxy“ gefallen könnte, wenn auch auf eine deutlich dunklere und action-orientiertere Weise. Die Schwierigkeiten, die man aber berechtigter Weise mit dem optisch hervorragend inszeniertem Weltraumschlächter haben könnte, sind auf die mangelhafte Interaktion mit anderen Charakteren zurückzuführen. Wie einst sein grobschlächtiger Vater im Geiste macht sich Klein-Lobo keine Freunde und schickt jede andere Lebensform (nur keine Hunde!) postwendend über den Jordan, die ihm keine Credits bringt. Das war früher urkomisch, da der sprücheklopfende Biker-Präsi nie um einen deftigen Monolog als Kommentar verlegen war. Auch der neue Lobo ist selbst sein bester Freund und beschränkt sich überwiegend auf innere Monologe, die dabei aber überwiegend etwas ernster, zweifelnder und nachdenklicher ausfallen.

Hier hätte man Lobo entweder einen deutlich komplexeren Plot an die Hand geben sollen, über den er sinnieren kann. Oder eben langfristige Mitstreiter, die ihn spiegeln oder humoristisch ergänzen können. Die wenigen Versuche, die man in diese Richtung unternimmt, werden schnell durch spontanes Ableben der Protagonisten unterbunden. Was objektiv am Ende bleibt ist ein raues, optisch sehr ansprechendes, inhaltlich aber weitestgehend unspektakuläres Weltraumabenteuer, dass gegen Ende einige ganz interessante Begegnungen mit DCs „Lantern“-Weltraumkriegern jeder erdenklichen Kolorierung bereithält. Nur eben nicht die Revolution, die der Verlag darin sieht, oder das totale Desaster, das konservative Fans daraus machen wollten.

DDCAN025 cover.indd LOBO: MEGABAND 1
Autoren – Cullen Bunn, Frank Barbiere
Künstler – Reilly Brown, Robson Rocha, Allison Borges, Cliff Richards
324 Seiten
Softcover
28,00€
ERHÄLTLICH BEI PANINI