Garulfo Bd. 1-3

deineantiheldinsidebar

Im Duden findet man neben dem Wort „Naivität“ eine kleine Zeichnung von einem Frosch, der sich Garulfo nennt. Er ist das Amphibienleben reichlich satt und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein unbeschwertes Menschenleben zu führen. Garulfo beobachtet die Zweibeiner nämlich schon seit geraumer Zeit von dort unten, zwischen Seerosen und Bachläufen. Eines schönen Tages beschließt er Nägel mit Köpfen zu machen. Er verlässt seinen vertrauten Teich und begibt sich auf die Suche nach einer lieben Fee, die ihn selbstlos wie Feen nun einmal so sind, schwuppdiwupp in einen Menschen verwandelt. Und so spaziert das Männlein mit seinen frisch errungenen Beinen in das prachtvolle Königsschloss, heiratet die wunderschöne Königstochter und wird glücklich und zufrieden, bis an sein Lebensende. So oder so ähnlich hat er sich das wohl vorgestellt. Doch dass die Menschen gar nicht so ehrenhaft sind, wie er immer dachte und das Leben mit ihnen alles andere als erstrebenswert, tja, für diese Erkenntnis braucht der grünschnäblige Frosch einen sehr, sehr langen Weg…

Die herrlich komische Idee von Garulfo dem Frosch, der gerne Mensch sein wollte, ist für Leser mit viel Humor gedacht. Garulfo ist mit der Menschenwelt und deren Bräuchen auf ganzer Linie überfordert. Naiv wie ein kleines Kind betrachtet er unsere Welt aus den Augen eines Erwachsenen. Mit gekonnt witzigen und sehr überspitzten Zeichnungen nimmt Zeichner Bruno Majorana uns Menschen ganz schön auf die Schippe. Wir sehen blonde, großbusige Prinzessinnen, strohdumme Könige, die ihre Steuern nach Lust und Laune erhöhen und gerissene Hexenweiber, die ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Wer also nicht über sich selbst lachen kann, der sollte den Comic besser nicht in Erwägung ziehen. Abgesehen davon hüpft sich der schleimige Garulfo mit viel schwarzem Humor geradewegs in die Herzen der Leser.

Die Geschichte vom treuherzigem Frosch strotzt nur so von tollen Ideen. Im Band zwei und drei muss sich der kleine Held plötzlich mit einem flegelhaften Doppelgänger rumärgern. Es folgen tolle Dialoge mit dutzendenn intelligenten Spitzfindigkeiten. Immer wieder werden Tabuthemen und Minderheiten zum Thema. Auch die vielen kleinen Märchenanspielungen waren ein Fest. Mein persönliches Highlight war die hinreißende Anekdote zum Thema „Die Schöne und das Biest“. Ich kam aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Auch das Ende ist herzallerliebst und einfach nur genial.

Die Kolorierung in den Comics farbenfroh und schön kräftig gewählt, sodass die Szenerie noch einmal ein Stück weit freundlicher und märchenhafter wirkt. Doch auch wenn „Garulfo“ zunächst komisch und sehr überzogen klingt, so ist die Grundidee doch eine sehr schöne und durchaus lobenswerte. Der kleine Frosch, der in seinem Teich zunächst egoistisch und launisch erscheint, wirkt in unserer Welt plötzlich zart und vertrauenswürdig. Ja, Garulfo glaubt eben an das Gute im Frosch Menschen und ist ein hoffnungsloser Romantiker.

garulfo3minGARULFO BD. 1-3
Autor – Alain Ayroles
Künstler – Bruno Maiorana
Je 104 Seiten
Hardcover-Album
Je 22,80€
Erhältlich bei Splitter