CONSTANTINE – THE HELLBLAZER (Bd.1): Abwärts!

John Constantine hat die zweifelhafte „Gabe“, mit Geistern und Dämonen zu kommunizieren. Das kettenrauchende Schlitzohr ist sich dabei stets selbst der Nächste und hat in einem Umfeld der Zwietracht und Hinterhältigkeit schnell gelernt, wie er sich gewinnbringend positioniert. Als übersinnlicher Ermittler steht er nun vor einem neuen Rätsel – Wie steht ein Geister verzehrendes, dämonisches Monstrum mit jener Punkrock-Band in Zusammenhang, in der Constantine einst als Leadsänger Hallen voller ahnungsloser Menschen und mystischer Entitäten zum kochen brachte? Und ist John wirklich ein so riesiges Arschloch, wie es ihn die schöne Exzorzistin aus seiner Vergangenheit glauben lassen will…?

Der neue Constantine ist bunt, verrucht und sexy. Die bedrohliche, nihilistische Atmosphäre, die weite Strecken der ursprünglichen Vertigo-Reihe und seinen ersten Auftritt in „Swamp Thing“ ausmachte gehört nun der Vergangenheit an. John scheint weit weniger fatalistisch, scheint weniger schwer an seiner Bürde zu tragen und wirkt dabei lässiger, gelöster und deutlich leichtfüßiger als zuvor.

Und? Ist das gut so? Das liegt tatsächlich komplett im Auge des Betrachters. Grundsätzlich war „Hellblazer“ mit 300 Ausgaben die längste Serie, die jemals im von Kennern geschätzten Vertigo-Verlag erschien. Also hatte die okkulte Schwermut des düsteren Detektivs jede Menge Möglichkeiten, sich von allen Seiten und vielen Künstlern beleuchten zu lassen. Eine Neuorientierung und Modernisierung kann also durchaus Sinn machen, solange man das charakteristische Grundgerüst beibehält, und John Constantine nicht mit aller Macht und einem imaginären Brecheisen versucht in den Superhelden-Kosmos des DC-Verlages zu prügeln, wie leider bei seiner letzten Inkarnation geschehen.

Der neue, bunte Anstrich sowie das ganz deutliche Bekenntnis hin zu Constantines bereits zuvor vorsichtig eingeführter Bisexualität sorgen für eine komplett neue Stimmung, mit einem ganz eigenen, unaufdringlichen, aber immer präsentem Humor. Wer sich davon angesprochen fühlt, der darf sich auf 124 Seiten giftige Unterhaltung mit außergewöhnlicher, kunstvoller Optik einstellen. Wer Constantine lieber als genau den gebrochenen und ausgelaugten Charakter in Erinnerung behalten will, den seine lange Reise aus ihm gemacht hat, der greift eben zu den ebenfalls bei Panini erhältlichen Klassikern.

constantinethb1miniCONSTANTINE – THE HELLBLAZER (Bd.1): Abwärts!
Autoren -Ming Doyle, James Tynion IV
Künstler -Riley Rossmo, Ming Doyle, Vanessa Del Rey
124 Seiten
Softcover
14,99€
Erhältlich bei Panini