CAPTAIN MARVEL (Bd.1): Wächterin der Erde

Bevor Schauspielerin Brie Larson zunächst 2018 in „Avengers: Infinity War“ und im Jahr darauf dann sogar in einem eigenem Solofilm in das Spandex-Kostüm der taffen Airforce-Pilotin Carol Danvers schlüpfen darf, können deutsche Leser sich dank Panini nun mit dem ersten Band der laufenden „Captain Marvel“-Comicserie schonmal ein Bild von der in Deutschland noch eher unbekannten Superheldin machen. Durch explodierende, außerirdische Technologie erhält Powerfrau Danvers „phänomenale kosmische Kräfte“™, die sie fortan nutzt, um das Universum vor außerirdischen Despoten, Asteroidenschauern oder ähnlichen Katastrophen epischen Ausmaßes zu verteidigen.

Im vorliegenden Band müssen wir uns nicht durch die zwanzigste Neuinterpretation von Captain Marvels Entstehungsgeschichte quälen. Das wäre für den deutschen Markt mangels Verbreitung der Figur noch ganz sinnvoll gewesen, aber Marvel-Comics entstehen nun einmal in Amerika. Stattdessen dauert es nicht lange, bis Carol als neue Kommandantin von „Alpha Flight“ wird, einer Art kanadischer Avengers-Variante, die momentan aus dem Weltall operiert. Gleich zu Beginn stellt die wehrhafte Dame fest, dass sie sich eher auf handfeste Action, als auf Diplomatie versteht, aber beides für ihre neue Rolle gleichermaßen benötigen wird. Denn eine außerirdisches Volk macht Jagd auf das inzwischen verloschene Volk der Kree, dem Ursprung von Carols Kräften…

Vorbereitend auf das neue Mega-Event „Civil War 2“ ist „Wächterin der Erde“ eine empfehlenswerte Lektüre, um einen Eindruck von Captain Marvels aktuellem Platz im Marvel-Universum zu bekommen. Der erste Sammelband der Reihe liefert solide erzählte und hübsch präsentierte, klassische Science Fiction. Diplomatische Verhandlungen mit extraterrestrischen Völkern, fremdartige, parasitäre Organismen und effektvolle Raumschlachten. „Captain Marvel“ zieht alle zu bedienenden Genre-Register. Allerdings bleibt sie auch gerade in der Disziplin weit zurück, die eigentlich eine große Stärke des amerikanischen Traditions-Verlags ist. Marvel-Helden begeistern oft durch verhätnismäßig tiefe Charaktere, durch menschliche Schwächen, die ausgiebig beleuchtet werden und der Entwicklung der Figur dienen.

Dieser erste Story-Bogen von „Captain Marvel“  besticht aber eher durch seine Action, durch den herrlich trocken-humorigen Umgang der „Alpha Flight“-Teammitglieder untereinander, was manchmal sogar ein wenig an BPRD-Ermittler Hellboy und seine Kollegen erinnert. Die Figur der Carol Danver selbst wird im Laufe der Handlung nie nennenswert tiefer ergründet, als ein Teelöffel. Sie ist saustark, diszipliniert und total anständig. Punkt. Natürlich darf sie das sein, denn unzählige, männliche Superhelden haben manchmal Jahrzehnte mit dieser drögen Rezeptur überlebt. Erfreulicher wäre aber gewesen, wenn Captain Marvel oder besser ihre Autorinnen der Männerwelt auch auf diesem Sektor bewiesen hätte, wer die Hosen anhat.

Trotz dieses Rückschlags werden vor allem Fans von Marvels intergalaktischen Abenteurern auf ihre Kosten kommen und sorgen vor allem die sympathischen „Alpha Flight“-Urgesteine Sasquatch und der großartig präsentierte Muskelzwerg Puck für richtig gute Unterhaltung.


CAPTAIN MARVEL (Bd.1): Wächterin der Erde
Autoren: Michele Fazekas, Tara Butters
Künstler: Kris Anka
116 Seiten
Softcover / Variant-Cover / Lim. Hardcover
12,99€ / 20,00€ / 30,00€
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