H.G. WELLS: Die Zeitmaschine


Es ist gelungen. Im England des späten 19. Jahrhunderts hat endlich ein Wissenschaftlern die Fesseln der Physik gesprengt und ist mittels einer obskuren Apparatur nun dazu in der Lage durch die Zeit zu reisen. Im Selbstversuch versetzt sich das abenteuerlustige Genie auch gleich mal stolze 800.000 Jahre in die Zukunft. Dort findet er eine in zwei Lager gespaltene Menschheit vor. Während die friedfertigen aber auf US-Präsidenten-Niveau dummen Eloi lustig und guter Dinge die Sonne genießen, wagen sich die monströßen Morlocks nur bei Nacht aus ihren unterirdischen Stollen hervor. Ganz so einfach wird es nicht, diesem futuristisch-prähistorischem Albtraum zu entrinnen, denn irgendwer hat offenbar gleich nach seiner Ankunft die Zeitmaschine des bahnbrechenden Wissenschaftlers stibitzt…

H.G. Wells hat neben seinem Kollegen Jules Verne das Genre der Science Fiction definiert wie kein Zweiter. Ursprünglich erschienen die Comic-Adaptionen der ikonischen Stoffe durch den Szenaristen Dobbs im französischen Verlag Glénat. Nun finden sie dank Splitter auch ihren Weg nach Deutschland.

Den Auftakt bildet dabei eben jene legendäre Geschichte um eine postapokalyptische Zukunft, in der die Menschheit nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Neben ausgesprochen einladenden Zeichnungen, die ähnlich wie beim deutschen Künstler Ingo Römling (Malcolm Max) die Tugenden europäischer und amerikanischer Stile dekorativ miteinander verbinden, sorgt eine dezent-blasse, mit wenigen Tönen auskommenden Farbpalette für elegantes, klassisches Flair, anstatt die Literaturvorlage in eine bunt blinkende Kirmes zu verwandeln. Leser des ebenfalls bei Splitter erscheinenden, hervorragenden Euro-Manga „Freaks’ Squeele“ haben bereits eine Vorstellung dieser Optik.

Aber der erste Wells, den Splitter da aus dem Teich zieht weiß auch inhaltlich durchaus zu gefallen. Zugegeben, ein zweiter Band hätte durchaus Sinn gemacht, um den wissenschaftlichen Reflektionen und vor allem der Erkundung unserer zertrümmerten Mutter Erde etwas mehr Ruhe und Andacht zu verleihen. Abgesehen vom so entstehenden Vorspultempo gelingt es aber auf beachtlich kurzen 56 Seiten durchweg das Flair, die Stimmung und den Konsenz der klassischen Literaturvorlage einzufangen und stimmungsvoll zu interpretieren.

Als nächstes steht in der Reihe übrigens für August der erste Band von „Krieg der Welten“ auf dem Plan, eine zeitlose Dystopie, die erst kürzlich vom deutschen Comic-Künstler Thilo Krapp interpretiert wurde.



H.G. WELLS: Die Zeitmaschine
Autor: Dobbs
Künstler: Vicente Cifuentes
56 Seiten
Hardcover-Album
15,80 Euro
ERSCHIENEN BEI SPLITTER