GUARDIANS: Beschützer (Filmreview)


Während des kalten Krieges erschafft der skrupellose Wissenschaftler August Kuratov eine Reihe „Übermenschen“ mit besonderen Kräften für die Regierungsorganisation „Patriot“. Allerdings verpasst der direkte Nachfahre Rasputins sich selbst auch die eine oder andere kybernetische Verbesserung und macht sich mit einer ganzen Reihe Superwaffen aus dem Staub. Viele Jahre später bedroht er mit all diesem todbringendem Spielzeug Russland und vielleicht sogar den ganzen Planeten. Ziel der russischen Armee ist es nun die ins Exil geflüchteten „Übermenschen“ aufzuspüren und als Sondereinsatzkommando „Guardians“ gegen ihren Schöpfer in einer Schlacht epischen Ausmaßes antreten zu lassen.

Das zentrale Problem von „Guardians“ ist sein extrem missverständliches Marketing. In eindrucksvollen, martialischen Trailern wird suggeriert, dass es sich bei Wer-Bär Arsus und seinen Genossen um eine ernstgemeinte Alternative zum amerikanischen Superhelden-Kino handelt. Das klappt sogar ausgezeichnet, da die für den Trailer ausgewählten Visual-Effekts sich für Standards außerhalb amerikanischer Superlative durchaus sehen lassen können. Im knapp 90 Minuten langen, nun auf Video-On-Demand-Platformen erhältlichen Spielfilm kann dieses visuelle Niveau aber nicht annähernd aufrecht erhalten.

Das will er auch gar nicht, denn viele trashige Effekte, haarsträubend hinrissige Dialoge und völlig offensichtliche Plagiatsversuche lassen wie die allgegenwärtige Flapsigkeit sämtlicher Charaktere selbst in dramatischen Situationen schnell erkennen, dass die „Guardians“ mehr augenzwinkernde Parodie als ernst gemeinter Action-Blockbuster sind. Dabei nimmt man dem einstigen „Klassenfeind“ Amerika genau so augenzwinkernd und unverkrampft mit Trump-Anspielungen oder NSA-Spitzen auf die Schippe, wie auch Erzeugnisse der US-Comicindustrie, die man wie Wade Wilson oder die X-Men auch ohne jede Angst vor Markenrechtsverletzungen über die oft flache, aber auch überwiegend charmante Comedy-Klinge springen lässt. Die Liebe zum gedruckten Basismaterial blitzt durchaus an der einen oder anderen Stelle aus der grellbunten CG-Kirmes hervor. Die Szene in der Oberfiesling Kuratov einem Kontrahenten das Rückgrat auf seinem Knie durchbricht, dürfte Fledermaus-Fans durchaus bekannt vorkommen.

Bewusstes Overacting, völlig überzogener Konservenorchester-Pathos und auf mit Gatling-Kanonen bestückten Bären reitende Zirkusartistinnen lassen keine Zweifel an den Wodka-geschwängerten Vorsätzen hinter dieser Produktion aufkommen. Wer trashige Over-The-Top-Action im Stil der Weltraum-Nazis in „Iron Sky“ oder dem Kickstarter-Retro-Erfolg „Kung Fury“ mag, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. In geselliger Runde bei ein paar Hirnzellen-Zersetzungs-Getränken vermutlich noch etwas mehr. Ernstzunehmende Konkurrenz haben Steve Rogers und seine Crew aus Russland bislang aber nicht wirklich zu befürchten.

GUARDIANS: Beschützer.  Russland, 2017. BluRay (ca. 14,99€), digitaler Kauf (ca. 9,99€) oder digitaler Verleih (ca. 4,99€)


Offzieller Trailer: