WONDER WOMAN: Das erste Jahr


Mit dem „Rebirth“-Neubeginn des traditionsreichem US-Verlags DC werden die zuvor unter dem Banner „New 52“ geführten Neuinterpretationen klassischer Helden wie Wonder Woman, Superman oder Batman mit ihren klassischen Historien zusammengeführt und liefern so eine Art „Remix“ der besten und erfolgreichsten Komponenten beider Epochen. Bei den größten und erfolgreichsten Helden-Epen wechselte man in den vereinigten Staaten gar auf einen zweiwöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus anstelle des seit Jahrzehnten in Stein gemeißelten, monatlichen Turnus, der Bedarfsweise durch zeitlich begrenzte Nebenserien erweitert wurde. „Lazarus“-Autor Greg Rucka ist nun für zwei parallel laufende Handlungsstränge von „Wonder Woman“ verantwortlich, die im zweiwöchentlichem Wechsel die Fans der stolzen Amazonen-Prinzessin in die Welt der Superhelden-Mythologie entführen sollen. Während die neue, in der Gegenwart angesiedelte und ebenfalls exzellent erzählte Handlung vom britischen Künstler Liam Sharp in Szene gesetzt wird, verleiht die Australierin Nicola Scott der mit „Das erste Jahr“ betitelten zweiten Storyline ihren unvergleichlichen, weichen und ausdrucksstarken Stil.

Hier wird die Ursprungsgeschichte der ikonischen Heldin für eine neue Generation von Leserinnen und Lesern neu erzählt. Und auch wenn dabei historische Grundsätze wie Steve Trevors Bruchlandung auf der sagenumwobenen Insel Themyscera unangetastet bleiben, liefert der hervorragend alleinstehend lesbare Band einen ganz eigenen Ansatz. Durch kindlich-naive Augen entdeckt Diana hier unsere laute, hektische Welt und lernt (aller Befremdlichkeit zum Trotz) schnell die Menschen zu lieben, entwickelt einen beinahe mütterlichen Beschützerinstinkt. Währenddessen ist Trevor vor allem damit beschäftigt, das sichtlich nervöse Militär von den guten Absichten seiner schlagkräftigen neuen Freundin zu überzeugen…

Krachend inszenierte Schlachten gegen die geheimnisvolle „Sear“-Organisation und ein kinoreifes Bombast-Finale sorgen trotz der großen, emotionalen Gewichtung für epische Heldenstimmung, während die genaue Beleuchtung von Dr. Barbara Ann Minerva eine elegante Brücke zur Schwesternserie schlägt, die bei Panini parallel mit dem ersten Band der neuen, fortlaufenden „Wonder Woman“-Serie startet.

Greg Ruckas Interpretation des „Wonder Woman“-Mythos gehört ohne Zweifel zu den qualitativ hochwertigsten, aktuellen Superhelden-Comics und „Das erste Jahr“ bietet den perfekten, in sich abgeschlossenen Einstieg für alle dem Thema Comic gegenüber nun vielleicht etwas aufgeschlosseneren Kinogänger(innen), die sich an Dianas Kinoabenteuer erfreut haben.

Eine Übersicht über weitere „Wonder Woman“-Comicveröffentlichungen zum Kinostart liefert unser Video-Special.



WONDER WOMAN – Das erste Jahr
Autor: Greg Rucka
Künstlerin: Nicola Scott
164 Seiten
Broschiertes Softcover
16,99 Euro
ERSCHIENEN BEI PANINI