DEADPOOL: Kriminaltango


Um ein Motiv für Weihnachtskarten der besonderen Art zu kreieren trommelt Marvel-Klassenclown und Publikumsliebling Deadpool seine skurrilsten Heldenkollegen zusammen. Neben „Squirrel Girl“, „Ant Man“, Weltraumente Howard oder dem immer so herrlich schlecht gelauntem Punisher soll auch der wirklich spezielle Satire-Held „Forbush Man“ einen Ehrenplatz auf Wades Weihnachtskartenmotiv bekommen. Der Kochtopf, den der gute Irving Forbush stets auf dem Kopf zu tragen pflegt, ist einfach eine viel zu große Versuchung für Deadpool. Leider war das dann auch die letzte Fotosession oder generell Aktivität für den Kochtopfmann, denn in einem kurzen, unbeleuchtetem Moment legt ein zunächst noch anonymer Partygast ihn doch tatsächlich auf Eis. Das kann Deadpool selbstredend nicht auf sich sitzen lassen und beginnt sogleich mit seiner ganz persönlichen Edition von „Cluedo“. Welcher sogenannte Held ist in Wahrheit ein kaltblütiger Mörder?

Trotz der sehr freien und auch irgendwie unnötig anmutenden Übersetzung des Originaltitels „Deadpool: Too Soon“ ist der „Kriminaltango“ ein großer Spaß. Wade Wilson in Bestform. Lange war die Gagdichte nicht mehr so hoch, selten wurde vor allem Freunden der leichtfüßigen, ja manchmal vielleicht sogar albernen Seite des Marvel-Universums eine derart reichhaltige Festlektüre kredenzt. Insbesondere im Zusammenspiel mit der naiv-putzigen Eichhörnchen-Dame, die sonst eher um eine tendenziell jüngere und weniger blutrünstige Leserschaft buhlt entfaltet das knallbunte Teleportations-Chaos sein volles, angenehm idiotisches Bouquet.

Dass die Identität des Mörders am Schluss extrem konstruiert wirkt und mehr als dürftig hergeleitet wird ist erwartungsgemäß nebensächlich. Niemand wird echte, spannende Krimistrukturen hinter der bunten Actionkomödie erwarten. Nebenbei erwähnt wird mit einer hier noch nicht enthüllten, urkomischen Charakterneuschöpfung in „Kriminaltango“ auch der potentielle Grundstein für neues, himmlisch beklopptes Meta-Pingpong gelegt. Das hatte zuletzt in miteinander verzahnten Mini-Serien wie „Night of the Living Deadpool“ oder „Killustrierte Klassiker“ ganz hervorragend funktioniert und ganz nebenbei für das stärkste Material des Antihelden-Senkrechtstarters gesorgt, das wir bis heute haben. So dürfte uns das Haus der endlich mal wieder angemessen abgefahrenen Ideen gern mal wieder verwöhnen! Macht schon!


DEADPOOL: Kriminaltango
Autor: Joshua Corin
Künstler: Todd Nauck, Reilly Brown
132 Seiten
Softcover
14,99 Euro
Erschienen bei Panini