DER GROßE BÖSE FUCHS


Alles, was der Fuchs will, ist endlich mal Hühnchen fressen. Nicht immer bloß Steckrüben. Das Problem dabei ist, dass der Fuchs ein furchtbarer Lappen ist, der sich überhaupt nicht durchsetzen kann. Nicht mal bei den domestizierten Tieren. Das sorgt für reichlich Spott und Hohn durch den diabolischen Wolf, vor dem die anderen Tiere sich völlig zurecht in acht nehmen, was ihm allerdings auch den Zugang zum Hof deutlich erschwert. Also schlägt er dem Fuchs vor, Kapital daraus zu schlagen, dass er sich völlig frei auf dem Hof bewegen kann, da ihn ohnehin niemand ernst nimmt. Heimlich soll er ein paar befruchtete Eier stibitzen, diese Ausbrüten und die jungen Küken ein paar Monate großziehen, bis sie fett genug sind, dass sich Wolf und Fuchs mit ihnen so richtig schön die Bäuche vollschlagen können. Leider haben sie die Rechnung aber völlig ohne das große Herz und die Mutterinstinkte des Softie-Fuchses gemacht…

„Der große böse Fuchs“ ist so ekelhaft süß, dass man beim Lesen unmittelbaren Kariesbefall befürchten muss. Außerdem ist er auch scharfsinnig, witzig  und strotzt nur so vor wahnsinnig starken Metaphern und Analogien. Wie es sich eben für eine richtige Fabel gehört. Trotz der vielen, klassischen erzählerischen und gestalterischen Aspekte fühlt sich das Buch aber kein bisschen altbacken oder angestaubt an, wie es das sprachlich hier eigentlich zutreffende Wort „zeitlos“ bizarrer Weise oft trotzdem suggeriert.

Wie in der Orwellschen „Farm der Tiere“ spielt auch Propaganda eine Rolle, gründen die Hennen eine Anti-Fuchs-Zelle, die in ihrer Struktur auf urkomische Art und Weise an die inhaltliche Haltlosigkeit von Bürgerwehren und rassistischen Kundgebungen erinnert, auch wenn diese herrliche Spitze kein zentrales Motiv des überwiegend vor allem charmanten und komischen Buchs ist.

Trotz seiner zwar ausgesprochen hübschen aber zunächst auch unscheinbaren und schlichten Kinderbuchoptik ist Benjamin Renners eigentlich überhaupt nicht großer und böser Fuchs auf einem beeindruckenden Siegeszug. Zahlreiche renommierte Preise konnte es sich schon sichern und zumindest im Urheberland Frankreich steht eine ausgesprochen gelungen aussehende Verfilmung in den Startlöchern. Drücken wir die Daumen, dass sie auch ihren Weg nach Deutschland findet. Falls nicht bleibt uns und unseren Kindern die großartige deutsche Ausgabe von „Der Große Böse Fuchs“ aus dem avant-Verlag. Ich kann es gar nicht erwarten, dass mein Sohn endlich groß genug ist, dass ich es mit ihm zusammen lesen kann.

Filmtrailer (französisch):



DER GROßE BÖSE FUCHS
Autor & Künstler: Benjamin Renner
192 Seiten
Softcover
25,00 Euro
Erschienen bei avant