KILL OR BE KILLED (Bd.1)


Dylan ist ein introvertierter und rückgratloser Einzelgänger. Als seine beste Freundin, für die er auch tiefere Gefühle hegt vor seinen Augen eine Beziehung mit seinem Mitbewohner beginnt, ist das für den labilen Duckmäuser einfach zu viel. Er versucht sich also durch einen beherzten Sturz das Leben zu nehmen. Wunderlicher Weise überlebt er diesen Suizidversuch aber gänzlich unverletzt und gewinnt so eine völlig neue Perspektive auf das Leben, das er eben noch so leichtfertig wegwerfen wollte. Leider war es aber nicht die holde Fortuna, die ihm das Leben rettete, sondern teuflische und furchtbare Mächte. Jetzt bei einem Dämonen in der Kreide zu stehen erweist sich als ausgesprochen unpraktisch, denn dieser fordert von Dylan nun Menschenopfer, damit er an seinem eigenem, „geschenktem“ Leben weiter festhalten darf. Ein Lichtblick bei diesem unmoralischen Geschäft ist, dass Dylan nur Leute um die Ecke bringen soll, die sich das auch verdient haben. Nur erweist sich die dafür erforderliche Recherche nicht gerade als einfach…

Visuell liefert der Auftakt zur neuen Brubaker-Reihe „Kill Or Be Killed“ einen soliden, aber inzwischen auch recht generisch wirkenden Indie-Standard, der mit schmutzigen Farben und reduzierten, sehr realistisch angelegten Zeichnungen an die dystopische Saga „Lazarus“ oder das Exorzisten-Drama „Outcast“ erinnert, die ihrerseits aber ein wenig individueller und aufregender stilisiert wurden. In erzählerischer Hinsicht glänzt die zynische Moralstudie dafür mit extrem authentischen inneren Monologen des unfreiwilligen Antihelden. Natürlich tanzt die raue Selbstjustiz-Action auf einem moralisch und geschmacklich schmalen Grat, das ist ja gerade der Spaß daran. Nun müssen zukünftige Ausgaben zeigen, ob und wie der Autor die zahlreichen und wichtigen Grundsatzfragen, die er in diesem ersten Band aufwirft noch beantworten will.

Der Weg zu diesen Antworten, nach denen man sich nun auch als Leser unweigerlich durch den Morast der menschlichen Abgründe wühlt, ist in jedem Fall extrem ansprechend und spannend gestaltet und lässt die 128 Seiten des Hardcovers in Splitters „Book“-Format wie im Fluge vergehen. Die bissigen Kommentare zum gesellschaftlichen und politischen Tagesgeschehen und die Aussichten auf die mysteriöse Vergangenheit von Dylans Vater und seiner geheimnisvollen Kunst machen aber schon jede Menge Lust auf noch mehr „Kill Or Be Killed“.



KILL OR BE KILLED (Bd.1)
Autor: Ed Brubaker
Künstler: Sean Phillips
128 Seiten
Hardcover
19,80 Euro
ERSCHIENEN BEI SPLITTER