ECHO (Bd.2): Desert Run


Noch immer sind Julie Kopfgeldjäger und der Sicherheitsstab einer ominösen Firma auf den Fersen, denn ausgerechnet mit ihr, diesem sympathischem aber auch völlig chaotischem Mädchen von Nebenan hat sich unverhofft eine mächtige, nuklear-symbiotische Super-Legierung verbunden. Dieser metallische, scheinbar lebendige und hautenge Anzug vergrößert sich immer dann, wenn er die Möglichkeit bekommt, sich weitere Fetzen dieser rätselhaften Materie einzuverleiben und verleiht Julie einige erstaunliche und erschreckende Fähigkeiten, die sie allerdings nicht wirklich unter Kontrolle hat. Gemeinsam mit Dillan, dem Exfreund jener Forscherin, die für das Projekt scheinbar verantwortlich ist, ist sie nun auf der Flucht. Dabei stellt sie fest, dass es wirklich leichtfertig war, ihr Leben vor diesen Ereignissen bereits als kompliziert zu betrachten…

Ein „frisch recycleter“ Hauch von sympathischer Achtziger-Familien-Scifi weht durch die Seiten des zweiten von insgesammt drei „Echo“-Sammelbänden. Die skrupellosen Forscher und der brutale Grusel-Fundamentalist Cain können nicht an dieser sympathischen Wärme rütteln, die auch die bisherige Wegstrecke des Roadmovie-Comicabenteuers bestimmt hat. Das erinnert eben nicht selten an familienkompatible Streifen wie „Nummer Fünf lebt“, oder „E.T.“, deren Retrocharme dank der gefeierten Netflix-Reihe „Stranger Things“ ohnehin gerade eine unverhoffte Renaissance erlebt. Wieder ist es Terry Moores unvergleichliches Talent darin, das Gewöhnliche, die für uns nachvollziehbaren Aspekte seiner Figuren geschickt auszuspielen, um sie so viel greifbarer und echter erscheinen zu lassen, als in so vielen Serien, Filmen oder auch Comic-Büchern. Terrys Figuren sind sexy, trotz oder gerade wegen kleiner Unzulänglichkeiten wie Winterspeckröllchen oder der schlichten Tatsache, dass sie sich in einem fancy Cyber-Anzug Gedanken darüber machen, wie man so eigentlich zur Toilette gehen solln.

„Echo“ ist nicht so dicht und beeindruckend wie „Rachel Rising“ und geht auch nicht so unmittelbar ins Herz wie „Strangers in Paradise“. Aber durch die allgegenwärtige Liebe zum Detail, schon in der Recherche der wissenschaftlichen Hintergründe und den unverwechselbaren Charme seiner Figuren ein waschechter Terry Moore.



ECHO (Bd.2): Desert Run
Autor & Künstler: Terry Moore
208 Seiten
Broschiertes Softcover
18,95 Euro
ERSCHIENEN BEI SCHREIBER UND LESER


Interview mit Terry Moore im Februar 2016