SEVEN TO ETERNITY (Bd.2): Ballade des Verrats


Adam Osidis muss sterben. Und das muss er schon bald. Gemeinsam mit einer Gruppe von Rebellen hat er das Kunststück vollbracht, den durchtriebenen Herrscher Garlis Sum gefangen zu nehmen. Über Jahrzehnte hinweg erfüllte dieser allen Wesen seines Reiches einen beliebigen Wunsch und erhielt dafür die Fähigkeit, jederzeit durch ihre Augen sehen zu können, bis ihm kein Geheimnis mehr verborgen blieb. Adams Familie verwehrte sich diesem diabolischen Handel standhaft, doch kann Adam angesichts des Todes seinen Werten treu bleiben?

„Seven to Eternity“ ist aufwändig illustriert, trotz aller zunächst scheinbar klischeebeladenen Fantasy-Inszenierung sehr wenig vorhersehbar und vor allem extrem politisch und sozialkritisch. Selbstredend sind der sinistre Gott des Flüsterns und seine Untertanen als Analogie auf unsere Gesellschaft zu sehen, in der das Recht auf Privatsphäre und vor allem Mitgefühl und Selbstlosigkeit zunehmend dem Wunsch nach Komfort und persönlicher Sicherheit weichen. Die ethischen Fragen die sich daraus ergeben sind die eigentlichen Hauptdarsteller der effektgewaltigen und angenehm kompakten Fantasy-Saga. Analog zu Remenders sträflich unterschätzter Tiefsee-Dystopie „Low“ kommt die Reihe deutlich komplexer und vielschichtiger daher, als für Genre-Comics eigentlich üblich.

Trotz aller Schwermut und Dramatik bietet „Seven to Eternity“ aber auch wohldosierten Humor, der vor allem durch herrlich abstruse Nebencharaktere aufkommt. Etwa durch einen zwielichtigen, krötenartigen Geschäftsmann, der Informationen und Dienstleistungen aller Art gegen bare Münze bietet. Grund dafür ist angeblich aber nicht seine Gier, sondern sein lilafarbener Frosch, den er nun einmal mit Gold füttern muss. Der hat schließlich Hunger. Selbst solche humoristischen, vermeintlich nebensächlichen Elemente stecken also voller Anspielungen auf Momente, in denen Menschen soziale Verantwortung von sich weisen und die abenteuerlichsten Gründe dafür anführen.

Intelligent, überraschend und so aufwändig wie massenkompatibel bebildert liefert die letzte Reise des Adam Osidis schnellen, angenehmen Zugang, aber auch eine Menge Substanz unter der hübschen Oberfläche. Mit dem zweiten Band findet „Seven to Eternity“ nun ein rundes Ende und belastet seine tollen Ansätze nicht mit erzwungenen Verästelungen und aufgesetzten Nebensträngen.



SEVEN TO ETERNITY (Bd.2): Ballade des Verrats
Autor: Rick Remender
Künstler: Jerome Opeña, James Harren
128 Seiten
Hardcover
25,00 Euro
Erschienen bei CROSS CULT