Wenn Pauschaltouristen auf Fotosafari von einer Horde stark behaarter, menschenähnlicher Wesen angehalten werden, dann würde wohl kaum jemand vermuten, dass die Primaten den Urlaubern ein Kammerstück über die Geschichte der menschlichen Evolution vorführen möchten. Ob es nun will oder nicht, das deutsche Klischee-Pärchen erhält in den nächsten Stunden einen leerreichen Vortrag über den aufrechten Gang, Alphatiere, die Natürlichkeit von Homosexualität und über unseren unabwendbaren Untergang. Aber auch darüber, wer den Oralverkehr erfunden hat und warum er soviel Spaß macht. In jedem Fall gibt es viel zu lernen.

Es ist schon nachhaltig beeindruckend, wie Ralph König es versteht, so viel Sinn, Verstand und Tiefe zwischen seinen Knubbelnasigen Protagonisten und deren zotigen Witzen zu verstecken. Immer mehr schleichen sich im Verlaufe der Handlung von „Stehaufmännchen“ echte Momente der Erkenntnis und der Reflektion in die Hirnwindungen des Lesers, während er eigentlich noch immer damit beschäftigt ist, sich nicht länger über den brüllkomisch-widerwärtigen Klang von Synonymen für Geschlechtsteile zu amüsieren. Ja, diese Erkenntnisse sind von einer gewissen Bitterkeit geprägt.

Allem Humor und Königs goldrichtigem Gefühl für komisches Timing zum Trotz hinterlässt sein neues Werk einen genau so bitteren Beigeschmack, einen Panorama-Blick auf die Trümmer, in die wir unsere Welt gerade so dumm und rücksichtslos zerlegen. Genau das macht „Stehaufmännchen“ aber auch so außergewöhnlich, so erfrischend im direkten Vergleich zu seinen beliebten Stories über Konrad und Paul. Zwar ist das Buch noch immer ein waschechter König, hinterlässt aber trotz vieler herzlicher Lacher in genau der schwermütigen Endzeitstimmung, die nötig ist, um unser vermeintlich in Stein gemeißeltes Schicksal abzuwenden oder wenigstens hinauszuzögern. Danke.


STEHAUFMÄNNCHEN, Autor & Künstler: Ralf König, 192 Seiten, Hardcover, 24,00 Euro, Erschienen bei ROWOHLT