Ritter Arthur ist eines der unsterblichen Wahrzeichen der japanischen Traditions-Spieleschmiede Capcom. Während große Franchises wie „Resident Evil“ oder „Monster Hunter“ erfolgreiche in die Moderne gerettet werden konnten, war es still geworden um den tapferen kleinen Kerl in der schillernden Rüstung. Kein Wunder, denn neben den extrem stimmungsvollen Grusel-Klängen und der putzigen Pixel-Optik ist die ursprünglich in Spielhallen beheimatete Serie vor allem für ihren antiquiert harten Schwierigkeitsgrad bekannt. Hierzulande hüpften ambitionierte Zucker in den Neunzigern natürlich vor allem mit ihren Homecomputern und Konsolen durch Zombieverseuchte Friedhöfe und von schweren Stürmen gepeitschte Wälder. Dabei galt es, die bewusst träge zu steuernde Figur möglichst fehlerfrei durch Heerscharen von Monstern zu manövrieren und sie dabei mit ganz verschiedenen Waffen zu beharken, ganz ähnlich wie beim großen Konami-Konkurrenten „Castlevania“. Besonders trainierte Spieler, die geduldig und effektiv genug ausweichen konnten, weil sie nach unzähligen Bildschirmtoden den perfekten Pfad durch die Levels auswendig kannten, freuten sich über grüne und goldene Rüstungen, die dem Helden ein paar kernige Zaubersprüche spendierten und das harte, virtuelle Leben wenigstens ein BISSCHEN leichter machten.

Fans dieses unzeitgemäß schweren, aber ungebrochen charmanten Prinzips werden zunächst aufatmen – Ganz viel ist in „Ghosts’n Goblins Resurrection“ ausgesprochen traditionell geraten. Viele Level scheinen zunächst eins zu eins aus früheren Episoden von „Ghosts’n Goblins“ oder „Ghouls’n Ghosts“ übernommen worden zu sein, überraschen Kenner aber trotzdem wieder und wieder mit kleinen Abweichungen und neu arrangierten Gegner-Platzierungen. An der Optik dürften sich die Geister scheiden. Anders als bei den beliebten Retro-Vorlagen entschied man sich nicht für eine niedrig aufgelöste Pixeloptik, wie sie insbesondere bei klassisch inspirierten Indie-Spielen gerade wieder total en vogue ist, sondern auf eine mutige und eigenwillige „Märchen-Popup-Buch“-Visualisierung. Dieser sehr analog aussehende, warme Stil passt einerseits total großartig zum mystischen Bildschirmgeschehen, andererseits erinnern die marionettenhaft geführten Segmente vor allem bei großen Figuren manchmal auch ein wenig an billige Flash-Spielchen. Dieser Assoziation zum Trotz konnte mich der Stil aber voll und ganz in seinen Bann ziehen, auch wenn ich verstehen kann, wenn sich Spiele-Fans der alten Schule nicht ganz wohl mit dieser Design-Entscheidung fühlen.

Die größte Schwäche des modernen Klassikers ist aber die maßlose Übertreibung eine seiner charakteristischen Stärken. Auch wenn wir als Kids der Neunziger Spiele zig mal durchspielten, weil wir einfach nur ein bis zwei mal im Jahr neue Module bekommen konnten und ein knackiger Schwierigkeitsgrad uns so lange bei der Stange halten sollte: Man kann es auch übertreiben. „Ghosts’n Goblins Resurrection“ hat eine präzise Steuerung, eine tolle Präsentation und bringt für Veteranen natürlich noch einen großen Nostalgiebonus mit sich. Aber es ist menschenunwürdig schwer. Alleine die Reise von einem Rücksetzpunkt zum nächsten gestaltet sich jedes mal als wirklich herausfordernde Angelegenheit, über die tolle Grafik und toller Sound nur bei den ersten zwanzig bis dreißig Ableben hinwegtrösten können. Immerhin gibt es mehr dieser Zwischenstation ab dem zweitleichtesten Schwierigkeitsgrad, der sich dann aber halt auch ein bisschen anfühlt, als würde man schummeln…

Eine liebevolle, und prinzipiell gut gemachte Hommage an einen echten Klassiker, deren Schwierigkeitsgrad nur für absolut gestählte Bildschirmrambos geeignet ist.


Ghosts’n Goblins Resurrection, Entwickler / Publisher: Capcom. 29,99€ 1–2 Spieler. Erschienen für NINTENDO SWITCH