Ironischerweise ist das Zombie-Genre ja aktuell recht lebendig, mit modernen Klassikern wie „The Walking Dead“ oder dem gerade erschienenem Netflix-Film „Army of the Dead“. „Year Zero“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Zombie-Apokalypse, allerdings von einem etwas ungewöhnlichen Standpunkt aus. Hier folgt der Leser fünf Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die über die ganze Welt verteilt sind. Einer Forscherin in der Arktis, einem kleinen Junge in Mexiko, einem Yakuza-Killer in Tokyo, einem Prepper in Amerika und einem Soldaten im Kampfeinsatz im nahen Osten. Verbunden sind diese Personen nur durch die weltweite Katastrophe, keiner weiß jedoch vom anderen. Also Zombie-Apokalypse, wie wir sie gewohnt sind, aber aus sehr normalen Blickwinkeln.

Autor Benjamin Percy liefert hier auf sehr hohem Niveau ab, muss er ja nicht nur einen sondern gleich fünf Handlungsstränge im Blick behalten. Ein weiteres selbstgewähltes Handicap: Jeder Charakter bekommt lediglich eine Doppelseite um seine Geschichte fortzuführen, dann dreht sich das Rad wieder und der nächste ist dran. Das führt natürlich noch mehr als sonst dazu die Handlung so kompakt wie möglich zu erzählen, aber auch nicht langweilig oder zu sehr auf Fakten bezogen erscheinen zu lassen. Dieses Talent, den emotionalen Kern der Charaktere, aber auch die völlig unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten gut zu kombinieren kennt mancher vielleicht aus seinen Arbeiten an „X-Force“, „Wolverine“ oder „Batman“.

Für Zeichnung und Colorierung zeigen sich Ramon Rosanas und Lee Loughridge verantwortlich, die es hervorragend schaffen die einzelnen Geschichten in einem sehr individuellen Stil zu halten, aber trotzdem ein Gesamtbild zu schaffen, sodass man nicht den Eindruck hat gleichzeitig fünf völlig verschiedene Comics zu lesen.

Eine extrem ungewöhnliche Herangehensweise eine derart komplexe und globus-umspannende Story zu erzählen. Alle Charaktere sind weit voneinander entfernt, erreichen aber durch die Verbindung mit dem Leser auch eine Verbindung untereinander. Es wirkt bereits nach ein paar Seiten, als kenne man die Charaktere bereits sehr gut, was sie zu „der Gruppe“ von Charakteren macht, ohne dass sie sich untereinander kennen oder begegnen. Da es sich hier um Band eins von nur zweien handelt, ist „Year Zero“ eine sehr schön abgeschlossene Geschichte im schicken Hardcover, auf dickem Papier und mit reichlich Bonusmaterial.


Leseprobe


YEAR ZERO (Bd.1), Autor: Benjamin Percy, Künstler: Ramon Rosanas & Lee Loughridge, 144 Seiten, Hardcover, 22,00 Euro, Erschienen bei CROSS CULT