Wenn man den Herren Lupano (Die alten Knacker) und Ohazar glauben schenken möchte, dann waren die alltäglichen Probleme der alten Wikinger gar nicht so fundamental anders als unsere heutigen. Wenn die knubbelnasigen, augenlosen Hornhelme auf miteinander verbundenen Halbseitern sich über Kommunikationsschwierigkeiten innerhalb von Beziehungen, zwischen Generationen oder auf der „Arbeit“ austauschen, wird eins ziemlich schnell deutlich: Auch der geneigte Leser könnte ein Wikinger sein und ist herzlich zur Identifikation und Reflektion eingeladen. Denn wenn die brandschatzende Horde von ihren Raubzügen zurückkehrt, dann sind es zum Beispiel immer die gleichen, einfallslosen Geschenke, die den daheimgebliebenen Gattinnen verhalten höfliche Freunde abringen. Nur dass es in diesem ersten Softcover-Band der Funny-Reihe halt keine Nippes-Figürchen oder Kaffeetassen sind, die aus falscher Höflichkeit zustauben, sondern die Helme der gefallenen Feinde, die in aller Regel auch erst von Blut und anderen Leichnamresten befreit werden müssen.

Unerreicht bleibt ein entwaffnender Dialog zwischen dem Häuptling und seinem Sohn, in dem der Senior die kulturellen Errungenschaften seines Volkes anpreisen möchte, seinem Nachkommen aber zuerst Mord und Raub als wenig hochkulturelle Beispiele einfallen. Das darauf folgende, kleinlaute „Aber wir haben auch schöne Lieder.“ fasst in erstaunlich wenig Worten völkische Gesinnung und ihren tatsächlichen „kulturellen Wert“ zusammen. Da möchte man gar nicht mehr aufhören, diesen knuffigen Einfaltspinseln dabei zuzusehen, wie sie verbissen unsinnige Argumente austauschen, um ihren idiotischen und destruktiven Lebensstil zu verteidigen. Geschlechtsspezifische Stereotypen kommen dabei genau so schlecht weg, wie erzwungene religiöse Annäherung. Denn Kirchen zünden unsere Wikinger hier nicht etwa aus humanitärer Einsicht nicht länger an, sondern nur weil die Frauen des Dorfes diese Barberei nicht länger dulden wollen.

Lupanos gewohnt meisterhaftes, komisches Timing braucht sich nicht vor der herrlich ratlosen Gestik der von Ohazar zu Papier gebrachten Figuren verstecken. Beides sorgt hier Hand in Hand für pausenlose Lacher im Takt der Schiffstrommel. Ob der Witz am Konzept ist, dass die Wikinger hier stark modernisiert wurden, oder Ansichten, die uns auch in unserer heutigen Gesellschaft begegnen vielleicht doch eher in die finstere Zeit der Drachenboote passen, wird dabei jeder Leser für sich selbst entscheiden können.


Leseprobe


WIKINGER IM NEBEL (Bd.1), Autor: Wilfrid Lupano, Künstler: Ohazar, 64 Seiten, Softcover, 12,00 Euro, Erschienen bei CARLSEN