Eines der tradtitionsreichsten Retro-Gaming-Genres sind ohne Zweifel die „Shoot’em Ups“. Egal ob die damals bahnbrechenden „Space Invaders“, das seinerzeit revolutionäre „Defender“ oder später die deutlich opulenteren und komplexeren Klassiker wie „R-Type“ oder „Gradius“ – Ein kleines Raumschiff über den Bildschirm zu manövrieren, um Heerscharen kleiner Pixel-Aliens für Punkte zu atomisieren, begeistert nun bereits Generationen von Zockern. In Japan befindet sich noch heute die kreative Keimzelle für eine moderne Form dieser von ihren Fans kurz „Shmups“ oder dort „STG“ genannten kleinen Kunstwerke. Die „Danmaku“- beziehungsweise „Bullethell“-Spiele sind Shmups, die sich vor allem durch eine unglaubliche Menge an bunten Projektilen auszeichnet. Eine „Hölle aus Kugeln“ also wortwörtlich. Oft ist bei diesen Titeln eher ausweichen als austeilen die Devise. Hohe Punktzahlen erreicht nur, wer sich viele, viele Stunden intensiv mit so einem vermeintlich nur auf eine Spielzeit von etwas 45 Minuten ausgelegten Titel beschäftigt.

Hier gilt es, das Chaos zu verinnerlichen und zu beherrschen

„Rolling Gunner“ ist so ein Titel, der in der eingeschworenen Fangemeinde durch eine PC-Veröffentlichung bereits eine beachtliche Aufmerksamkeit generieren konnte. Seiner etwas generischen Plastik-Optik zum Trotz hat der japanische Indietitel es faustdick hinter den Ohren und zitiert beliebte Titel wie „Deathsmiles“, „Crimzon Clover“ oder „Gigawing“ mit seinem fordernden Punktesystem. Dabei gilt es, das „Beiboot“ des Raumschiffes stets strategisch pfiffig zu positionieren, um mit dessen schwächerem Schuss mehr Medallien aus kleinen Gegner „zu melken“, um abschließend, wenn ganz viele Projektile auf dem Bildschirm sind in eine Art zeitlich begrenzten Zeitlupenmodus zu wechseln, der die erhaltenen Medaillen und Punkte bei strategisch geschicktem Einsatz vervielfacht.

Klingt kompliziert? Das war aber eigentlich schon eine stark vereinfachte Zusammenfassung. Die gute Nachricht ist, dass man langsam in dieses System hineinwachsen kann. Sogenannte Superplay-Videos auf YouTube helfen ungeübten Spielern außerdem dabei, ein Gefühl für das richtige Timing zu finden. Am Ende gilt für „Rolling Gunner“ was für jedes Danmaku-Game gilt: Wer einfach nur schnell durchhusllchen und solange stumpf Continues benutzen möchte, bis er den letzten Boss besiegt hat, dem wird sich der Reiz dieser Art von Spiel kaum erschließen. Wer sich in das komplexe System eindenken will und Spaß daran hat diese schier unüberwindlichen, künstlichen Stress-Situationen zu berherrschen, der wird eine Menge Spaß mit guten Bullethell-Shootern haben. Und „Rolling Gunner“ ist ein richtig, richtig gutes Exemplar.

ROLLING GUNNER. Entwickler: Project Rolling Gunner. Publisher: .mebus Ca.39,99€. Ein Spieler. Erschienen für Nintendo Switch. LINK