Drifter Bd.1 – Crash

Cross Cult bringt uns diesen Monat einen epischen Space-Western aus der Feder des deutschen Ausnahmekünstlers Nic Klein, der schon für Thor, Captain America und Winter Soldier den „Federkiel“ schwingen durfte.

Abram Pollux hat Glück im Unglück. Trotz seiner spektakulären Bruchlandung auf einem fremden Planeten überlebt der Weltraumreisende und findet sich in der Obhut des hiesigen, Sheriff wieder. Die Lebensbedingungen in der Wüstenstadt sind rau und hart, wie einst im wilden Westen unserer Erde. Pollux findet sich wieder und wieder zerrissen zwischen dem Wunsch diesen gottlosen Ort endlich wieder zu verlassen und dem Bedürfnis die Rätsel des Planeten, dieser Stadt und ihrer Bewohner zu ergründen. Beim Versuch sich in einer Mine ein paar Credits für den Kauf einer Waffe zu verdienen begegnet Abram das erste Mal den rätselhaften Wheelern und ist fortan getrieben von einer gefährlichen Mixtur aus Neugier und Angst…

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Auch wenn ich mir Ausführungen über die Ausstattung und die Qualität eines Buches gewöhnlich für den Schluss der Rezension aufhebe – Hier muss sie gleich an den Anfang. Drifter lebt von seiner Präsentation und man kann Cross Cult nicht genug für den Schritt danken, das insgesamt sehr klassisch europäisch wirkende Werk als großformatiges, bildschönes Hardcover zu veröffentlichen. Die erste, amerikanische Einzelausgabe von Drifter habe ich bei Erscheinen bereits digital auf meinem iPad gelesen. Sie hat mir auch gefallen, aber irgendwie habe ich die Reihe aus den Augen verloren. Trotz des ungeheuren Komforts den digitales Lesen und digitale Comics mitbringen ist Drifter ein Paradebeispiel dafür, dass wirklich nichts die Haptik und das Erlebnis einer richtig guten Buchproduktion ersetzen kann. Denn in dieser Form konnte ich Drifter bis zur letzten Seite nicht mehr aus den Händen legen.

Trotz Ivan Brandons intensiver, manchmal fast surrealer Erzählung, angetrieben von ausdrucksstarken inneren Monologen waren es Nic Kleins Artworks, die für mich den ganz besonderen Reiz an Drifter ausmachten. Die für sich extrem reduzierten Zeichnungen kommen bewusst völlig ohne Schraffuren oder schwarze Flächen aus. Räumliche Tiefe, einen großteil der Konturen und vor allem Licht und Atmosphäre erschafft Kasseler Klein durch seine extrem aufwändige und stimmungsvolle Kolorierung.

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Inhaltlich erwartet den Leser eine geschickte Genremixtur aus sehr klassischer Science-Fiction und dreckigem, harten Western. Die Verbeugungen und gelegentlichen, inhaltlichen Parallelen zum 1973er Clint Eastwood-Western „Ein Fremder ohne Namen“ werden bei einem Blick auf dessen Originaltitel – „High Plains Drifter“ noch wahrscheinlicher. Trotz immer wieder aufblitzender, actionreicher Momente bleibt Drifter aber erfreulicherweise insgesamt sehr entschleunigt und europäisch. Auf seine Kosten kommt hier also, wer sich auch gerne tief in eine Geschichte hinein begibt, wie etwa beim Lesen eines Romans. Drifter ist ein unglaublich detailverliebtes Werk, bei dem alle Beteiligten sehr viel Zeit und Herzblut investiert haben um eine glaubhafte, fremde Welt zu schaffen und nicht etwa eine kurzweilige, augenzwinkernde Materialschlacht vom Kaliber der „Guardians of the Galaxy“.

Trotzdem möchte ich den Space-Western gern auch jedem Neu-Leser ans Herz legen, insbesondere Freunden älterer Science-Fiction-Werke. Egal ob Hörspiel, Film oder Roman. Ohne das atemberaubende und extrem moderne Design und Layout von Tom Muller könnte Drifter auch gut und gern 40 Jahre alt sein. Diesem Charme konnte auch ich, der ich eher moderne Sci-Fi mag mich dank der herausragenden handwerklichen und künstlerischen Arbeit aller Beteiligten nicht entziehen.

Ein kleines „Aber“ habe ich aber dennoch für alle Freunde von Graphic Novels und geschlossenen Geschichten – Auch wenn es den Anschein hat, wenn die Präsentation auf ein vollendetes, alleinstehendes Werk hindeutet – Drifter ist eben NOCH NICHT abgeschlossen und läuft momentan im US-Verlag Image weiter. Bei all der verdienten Aufmerksamkeit die dem Titel aus meiner Sicht aber gerade widerfährt, habe ich aber keine Zweifel, dass Cross Cult uns auch mit der Fortsetzung beglücken wird!

Alternativ zur von mir rezensierten und bereits extrem hochwertigen „Standard“-Fassung bietet Cross Cult noch eine auf 222 Exemplare streng limitierte Vorzugsausgabe an, inklusive nummeriertem und handsigniertem Artprint.

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  • Autor – Ivan Brandon
  • Künstler – Nic Klein
  • Erschienen am 27.07.2015
  • Format – 21x28cm, 4farbig
  • Hardcover
  • 128 Seiten
  • Preis: 25,00 
  • ISBN 978-3-86425-678-3
  • Genre: Science-Fiction

Rezensionsmuster – Hardcover, zur Verfügung gestellt von Cross Cult – Herzlichen Dank!

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