Frankenstein Underground

In „Frankenstein Underground“ lässt Hellboy-Mastermind Mike Mignola das legendäre Monster aus Mary Shelleys Romanklassiker zu einem Teil seines mystischen und bizarren Comic-Universums werden. Nachdem die tragische Kreatur in Deutschland erstmals im bei Cross Cult erschienenen Edelwälzer „Geschichten aus dem Hellboy-Universum 3“ in Erscheinung trat, rückt sie nun in den Mittelpunkt einer Erzählung, die tief hinab in die aus den „BUAP“-Comics bekannte „Hohle Erde“ führt. Dort muss das menschliche Muskel-Mosaik seine Selbstzweifel und seinen Weltschmerz vergessen, um die Opfer einer obskuren Weltuntergangssekte von ihrem bitteren Schicksal zu erlösen.

Für alle Freunde von Mignolas bewährtem Rezept aus folkloristischen Überlieferungen und trashiger Monster-Action hält „Frankenstein Underground“ viele bekannte Gesichter und Verbindungen zur mühsam errichteten Hellboy-Mythologie parat. Dabei geht ein wenig von der genialen Schlichtheit der ursprünglichen Frankenstein-Erzählung verloren, auch wenn das durch „Baltimore“ bereits bekannte Dream-Team aus Zeichner Ben Stenbeck und Dave Stewart (Weltraumkrümel), einem der wahrscheinlich besten Koloristen der Welt die innere Zerrissenheit des Monsters gewohnt genial in Bilder fasst.

Diese Bilder sind die eigentlichen Stars des wirklich atemberaubend schönen, großformatigen Hardcovers. Neben dem ebenfalls bei Cross Cult erschienenen „Drifter“ ist das Schmuckstück wohl einer der heißesten Anwärter auf das schönste Umschlagdesign dieses Jahres. Auch wenn die krude Mischung aus Dantes „Göttlicher Komödie“ und Jule Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ erzählerisch nie das ohnehin extrem hoch angesetzte Niveau von Mike Mignolas Hauptreihen erreicht, heben Stenbecks kantiger, detaillierter Stil und Stewarts extrem stimmungsvolle Farbpalette den Unterhaltungsfaktor der abgeschlossenen Reihe in hohe Sphären.

Wer sich einen Einstieg in die komplexe Welt des Mignola-Verse erhofft hat, sollte aber vielleicht erstmal beim Klassiker „Hellboy“ beginnen, der zugegebener Maßen viele hundert Seiten mehr zur Verfügung hatte, um sein unvergleichliches Bouquet zu entfalten. Ab August 2016 wird Cross Cult die Hauptreihe in jeweils drei Bände umfassenden, kolorierten Hardcover-Kompendien neu auflegen, auf die ich mich freue wie ein kleines Kind. Für Horror-Verrückte und alle Leser, die sich gern in genialen Artworks verlieren bleibt „Frankenstein Underground“ aber trotz der kleinen, inhaltlichen Ungereimtheiten erste Wahl beim nächsten Gang zum Comic-Händler.

  • Frankenstein Underground
  • Autor – Mike Mignola
  • Künstler – Ben Stenbeck, Dave Stewart
  • Hardcover
  • 160 Seiten
  • 29,95€
  • Erhältlich bei Cross Cult

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