Offenbarungen

Charlie Northern ist ein Kette rauchender Zyniker, den heute rein gar nichts mehr mit Religion und Gott verbindet. Ausgerechnet er soll nun auf Geheiß eines alten Freundes in einem mysteriösen Todesfall innerhalb der Mauern des Vatikans ermitteln. Ihm entgegen stehen dabei nicht nur die verschlossenen Geistlichen, sondern auch die italienische Polizei, die ganz offensichtlich keine große Motivation darin beweist, das vermeintliche Gewaltverbrechen aufzuklären. Da kommt es dem dauerfluchenden Engländer gerade recht, dass er seine Anspannung mit einer schönen Finanzprüferin ein wenig zerstreuen kann. Ihre Aufgabe ist es, die korrupten Strukturen der Kirchenführung zu entwirren. Doch je näher Charlie der Wahrheit kommt, um so enger zieht sich eine unsichtbare Schlinge nicht nur um seinen eigenen Hals zusammen, sondern bedroht auch all jene, die ihm lieb und teuer sind…

Mit Paul Jenkins hat Popcom einen ungeheuer vielseitigen Autor als Dauergast im Programm, der trotz seiner ganz offensichtlichen Vorliebe für fantastische Welten  und verschrobene Detektive (Fairy Quest, Fiction Squad) das große Talent besitzt, seine Geschichten grundverschieden zu konzipieren und zu erzählen. Auch der allgegenwärtige Humor des 51-jährigen Briten schmiegt sich stets elegant der vorherrschenden Stimmung an. Nie zuvor war das so auffällig wie in „Offenbarungen“, denn der an sich ungeheuer düstere und pessimistische Thriller ist zwar gespickt mit den scharfsinnigen Spitzfindigkeiten von Detektiv Northern, erlaubt dem Leser aber zu keinem Zeitpunkt über die entstehende Heiterkeit den Ernst der Lage zu vergessen. Die beeindruckend tiefe und überzeugende Schilderung seines Helden lässt dabei leicht darüber hinwegsehen, dass es anderen Charakteren manchmal etwas an Vielschichtigkeit fehlt.

Die langjährige Zusammenarbeit mit dem unverwechselbaren Künstler Humberto Ramos (etwa für Marvels „Spectacular Spider-Man“) hat sich ebenfalls ausgezahlt. Wo der stark überzeichnete Stil des mexikanischen Star-Zeichners zunächst etwas deplatziert im finsteren Okkult-Krimi scheint, wird schnell klar, wie gut sich das Team erzählerisch ergänzt. Während einen großen Teil des Bandes Northerns bissiger Humor und Ramos fantastische Bilder die Gründe sind, einen scheinbar nicht sensationell komplexen Kriminalfall zu verfolgen, sorgt letzten Endes eine schockierende Kehrtwende in der Handlung noch einmal für das gewisse Etwas, das „Offenbarungen“ weit über die ohnehin hoch gesteckten Erwartungen hinaus katapultiert.

  • Offenbarungen
  • Autor – Paul Jenkins
  • Künstler – Humberto Ramos
  • Hardcover
  • 166 Seiten
  • 16,00€
  • Erhältlich bei Popcom

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