Green Arrow – Der Klang der Gewalt

Nach Oliver Queens Auferstehung erblühen die zarten Bande zu seiner großen Liebe, Dinah „Black Canary“ Drake erneut auf. Natürlich nicht ohne jene Komplikationen, die ein Leben als von den Toten zurückgekehrter, kommunistischer Superheld so mit sich bringt. Zu diesen Schwierigkeiten zählt auch die junge Mia, eine ehemalige Kinderprostituierte, die sich nicht nur auffallend für Green Arrows Sohn Connor begeistert, sondern zudem auch noch seine neue, jugendliche Assistentin werden möchte. Doch der geläuterte Held will wieder das junge Mädchen noch seinen Sohn zukünftig den Gefahren ausgesetzt sehen, die der Kampf gegen das Verbrechen heute mit sich bringt. Die Zeiten sind rauer und düsterer geworden. Neue, skrupellosere Schurken schrecken nicht mehr davor zurück, ihre maskierten Widersacher auch zu töten…

Was im ersten Band noch gut funktionierte, scheitert in „Der Klang der Gewalt“ vereinzelt an fehlenden Übergängen zwischen sehr ernsten, bedrohlichen Szenarien und Filmautor Kevin Smiths berüchtigter, zotiger Flapsigkeit. Beide Komponenten funktionieren für sich ausgezeichnet, wirken aber oft etwas fragmentiert, voneinander losgelöst. Was letzten Endes der seidene Faden ist, der die beiden Seiten von Smiths Neu-Inszenierung des modernen Robin Hood zusammenhält, ist der markante, an die Batman-Animationsserie aus den Neunzigern erinnernde Stil von Künstler Phil Hester. Mit kräftigen Linien und flächigen, stimmungsvollen Farben fängt der Zeichner die Atmosphäre stets großartig ein und hilft dabei die erzählerischen Übergänge weicher zu gestalten.

Zweifels Ohne das unangefochtene Highlight in Smiths persönlichem Finale als Autor von „Green Arrow“ ist aber die Geburt des bizarren Schurken „Onomatopoeia“. Der mysteriöse Heldenkiller mit dem unaussprechlichen Namen setzt statt auf markige Sprüche lieber auf das Nachsprechen der ihn umgebenden Geräusche, wie Schüsse, zerspringendes Glas oder brechende Knochen. Was in der Batman-TV-Serie aus den Sechzigern mit all seinen „Blams“, „Pows“ und „Kazongs“ vor allem ein komisches Element war, wirkt hier herrlich verstörend und furchteinflößend. Zudem ist mit der Schöpfung des Serienmörders ein besonderer Kunstgriff gelungen, der laut Smith selbst ausschließlich im Comic-Medium funktionieren kann und soll. Ein Wiedersehen mit Onomatopoeia gab es bislang ausschließlich in der noch immer unvollendeten, nie auf deutsch übersetzten Miniserie „Batman – Cacophony“ (ebenfalls von Kevin Smith), die tiefere Einblicke in das Leben des Lautmalers gibt.

Trotz aller verzeihlichen Schwächen ist also allein schon dieser eine von zwei Auftritten eines viel zu selten frequentierten DC-Schurken den Griff zu „Klang der Gewalt“ wert. BLAM!

  • Green Arrow – Der Klang der Gewalt
  • Autor – Kevin Smith
  • Künstler – Phil Hester
  • 132 Seiten
  • Original-Stories – Green Arrow (2001) 11-15
  • Softcover / Limitiertes Hardcover
  • 16,99€ / 29,00€
  • Erhältlich bei Panini