ASH – AUSTRIAN SUPERHEROES (Bd.1): Rückkehr der Helden


„Captain Austria Jr.“, das „Donauweibchen“, „Lady Heumarkt“ und „Der Bürokrat“ sind die „Wiener Wächter“, die zeitgenössische Inkarnation jenes geschichtsträchtigen Superheldenteams, das die österreichische Hauptstadt bereits seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts vor größenwahnsinnigen Wissenschaftlern oder Schurken wie dem „Roten Husaren“ verteidigt. Nun sieht sich die frisch einberufene Truppe kostümierter Verbrechensbekämpfer allerdings mit einem unmenschlichem, ja sogar monströsem Gegner konfrontiert: Dem mythologischem Basilisken…

Auch wenn Harald Havas und Thomas Aigelsreiter als die Väter der österreichischen Antwort auf Superman & Co. gelten hat eine ganze Heerschar von Comickünstlern an den im vorliegenden, ersten Sammelband enthaltenen Geschichten mitgewirkt. Allem Lokalkolorit und dem allgegenwärtigem Humor zum Trotz versteht sich das Indie-Projekt „ASH – Austrian Superheroes“ aber keineswegs als Parodie. Ziel von Schöpfer Havas war es, amerikanische Superheldenmythen auf Europa, auf Österreich anzuwenden und als klassischen Action-Comic zu präsentieren. Trotz der erfreulicher Weise wieder wachsenden Bedeutung des Mediums im deutschen Sprachraum ist dies, wie er treffend bemerkte, ein komplett unterrepräsentiertes Genre, liegen die Stärken des deutschen Comics eher im Funny- und Graphic-Novel-Bereich.

Diese Operation ist durchweg gelungen und kreiert eine charmante Heldenmythologie, die durch stilecht vergilbte und gerasterte Rückblenden in das „Goldene Zeitalter“ des Comics die stimmige Illusion eines seit Jahrzehnten gereiften, komplexen Heldenkosmos vermittelt. Eine starke, abwechslungsreiche Zeichnerriege greift dabei auch gestalterische Motive des amerikanischen Heldencomics auf, egal ob mit einem Mignola-esquem Convention-Cover des ersten Heftes, einer an Warners Animationskosmos erinnernden Cartoon-Variante von Sarah Burrini oder den herrlich dreckigen Underground-Zeichnungen von Jörg Vogeltanz, die unweigerlich Assoziationen mit dem großen Frank Quitely wecken.

„ASH – Austrian Superheroes“ kann auch Neulesern mit einer entsprechenden Begeisterung für die sympathisch-verschrobene, österreichische Kultur durchaus Freude bereiten. Das volle Potential wird sich aber vor allem erfahrenen Connaisseuren der amerikanischen Heldenkunst offenbaren. Denn die „Wiener Wächter“ sind keine Verballhornung, sondern eine Verbeugung.

Wer das Projekt über den Kauf des bei Cross Cult erschienenen Sammelbandes hinaus auch bei zukünftigen Heftproduktionen unterstützen möchte, erhält übrigens auf der offiziellen Homepage des ambitionierten Indieprojekts die Gelegenheit dazu.


ASH – AUSTRIAN SUPERHEROES (Bd.1): Rückkehr der Helden
Autor: Harald Havas
Künstler: Thomas Aigelsreiter u.v.a.
144 Seiten
Softcover
16,90€
Erschienen bei Cross Cult