SILVER (Bd.3): Das Lied vom Blut


Nun gibt es kein zurück. Die Gaunerbande rund um Finnigan ist nicht nur um die „Van Helsing“-Erbin Rosalynd und einen mysteriösen kleinen Hellseher ergänzt, sondern hat tatsächlich die Reise mitten in das Herz der Finsternis gewagt. Die Reichtümer des Grafen Dracula sind endlich zum Greifen nah. Doch war all das nicht viel zu einfach? Hätten Jahrtausende alte, übermächtige Wesen die Jahrmarkt-Maskerade der Diebesbande nicht eigentlich schon längst durchschauen müssen?

Ganoven, Vampire und ein sagenumwobener Schatz. Die zunächst etwas trashig anmutende Handlung von „Silver“ macht durch elegante Gothic-Novel-Inszenierung und nostalgischen „Der Clou“-Charme erstaunlich viel Sinn und wirkt dabei erzählerisch wie auch gestalterisch sehr reif und überlegt. Den prägenden Humor muss man in „Das Lied vom Blut“ vermutlich dramaturgisch bedingt aber leider mit der Lupe suchen. Die hohe Actiondichte und Dynamik lassen nicht viel Raum für die flapsig-charmanten Pseudoweisheiten der letzten zwei Bände und so gerät das neue Kapitel deutlich ernster und deshalb auch ein wenig generischer als erhofft.

Mutig und toll sind dagegen die Sequenzen, in denen der finstere Graf Rosalynds Sinne trüben will, die sich langsam und organisch in weichere, reduziertere Pinselschwünge verwandeln, um dann an Stelle der eigentlich so markanten, eckigen Tuschlinien zu treten. Auch oder gerade weil sich diese Bilder so manchmal in völliger Finsternis und Unkenntlichkeit verlieren machen sie hervorragend Gebrauch von den Möglichkeiten, die nur das Medium Comic gestalterisch bieten kann und erzeugen dabei eine extrem dichte Atmosphäre.

Die Weichen sind gestellt, das mit Band 4 bevorstehende, große Finale von Stephan Francks mignola-esquem Vampir-Coup birgt nach wie vor das Potential, „Silver“ zu einem würdigem und aufregendem Abschluss zu bringen. Dafür sollte man sich aber idealer Weise wieder auf die humorvollen Tugenden besinnen, die den Weg hierher so angenehm innovativ gemacht haben.



SILVER (Bd.3): Das Lied vom Blut
Autor & Künstler: Stephan Franck
152 Seiten
Broschiertes Softcover
16,95 Euro
ERSCHIENEN BEI SCHREIBER & LESER