LINCOLN (Bd.1): Auf Teufel komm raus


Bei Lincoln handelt es sich nicht etwa um den ehemaligen Präsidenten der vereinigten Staaten, sondern um einen besonders glücklosen Bewohner des Wilden Westens. Als Sohn einer sexuell Erwerbstätigen ist er schon als kleiner Junge permanent mit den unschönen Seiten des Lebens konfrontiert und wird dadurch schnell zum nihilistischen Zyniker. Als dann eines Tages doch tatsächlich so ein alter Zausel behauptet, er sei der der liebe Gott persönlich und habe noch großes mit Lincoln vor, lässt sich der schlechte gelaunte Gauner gern auf dieses verrückte Spielchen ein…

Was auf den ersten Blick fälschlicher Weise wie ein beliebiger, lustiger Cowboy-Cartoon missverstanden werden könnte entpuppt sich schnell als originelles und zynisches Juwel. Ein moderner, schnörkelloser Strich und reduzierte, stimmungsvolle Farben machen schnell deutlich, dass es in „Lincoln“ keineswegs um abgedroschene Bilderwitzchen geht. Allen derben Situationen und kernigen Sprüchen zum Trotz arbeitet „Auf Teufel komm raus“ tatsächlich ziemlich feinsinnig nihilistische Grundsätze heraus und setzt ihnen auf eine unglaublich charmante Art und Weise den unerschütterlichen Optimismus des putzigen Cowboy-Gottes entgegen.

Besonders aufregend daran ist, dass man zu diesem frühen Zeitpunkt nur mutmaßen kann, wohin die Künstler ihr ungewöhnliches Western-Abenteuer entwickeln wollen. Zwischen tiefschwarzem Humor und pfiffigem Philosophie-Abenteuer ist der frischen Story tatsächlich alles Mögliche zuzutrauen. Wenn sie wünschenswerter Weise ihrem Stil treu bleiben kann, dann erwartet den Leser eine chaotisch klingende, aber faszinierend stimmige Kombination all dieser Möglichkeiten.

Originell, erfrischend und absolut unvorhersehbar. Man darf sehr gespannt sein, was Lincoln noch für seine Leser in Petto hat!


Leseprobe


LINCOLN (Bd.1): Auf Teufel komm raus
Autor: Olivier Jouvray
Künstler: Anne-Claire, Jérôme Jouvray
48 Seiten
Softcover/Hardcover
14,95 Euro
Erschienen bei SCHREIBER & LESER