ACHTUNG: Da es sich hierbei bereits um das vierte Kompendium handelt, sind Spoiler nicht zu vermeiden.

In unregelmäßigen Abständen bringt der Cross Cult Verlag die Hellboy-Comics chronologisch gesammelt, in über 450 Seiten starken Bücher in die Comicregale. Nun liegt das vierte dieser wuchtigen Meisterwerke vor und besiegelt in gewisser Weise den Abschluss von Hellboys bewegtem Leben.

Bevor dieses Finale eingeläutet wird, finden sich im ersten Drittel eine Sammlung einzelner, abgeschlossener Storys. Bisher wurden diese als Beilage zu den Hellboy-Filmen oder beispielsweise in speziellen, nicht Hellboy-spezifischen, Geschichtensammlungen veröffentlicht. Diese, zwischen sechs und 72 Seiten langen Erzählungen, führen den teuflischen Ermittler wie üblich an die ungewöhnlichsten Orte. Egal wo er auftaucht, es werden Monster bekämpft, finstere Mächte entlarvt oder Geister von ihrem Fluch befreit.

Wie man es von seinem Schöpfer Mike Mignola kennt verwendet dieser für die Abenteuer größere und kleinere Versatzstücke aus folkloristischen Märchen und Sagen. Dafür werden diese durch eigene Ideen angereichert oder komplett überarbeitet. Das Ergebnis ist aber immer das selbe: Die  Ereignisse sind so gestaltet, das sie sich perfekt in die DNA des Hellboy-Universum einfügen.

Ein besonderes Schmankerl sind die abgedruckten Kommentare des Autoren. Diese sind jeder einzelnen Kurzgeschichte zugeordnet und erklären, welche der Szenarien zu welchem Anlass entstanden sind und durch welchen Mythos der Grundstein für den Inhalt gelegt wurde. Darunter finden sich auch schöne Anekdoten, wie zum Beispiel ein Abenteuer, das er zusammen mit seiner Tochter beim Abendessen gesponnen hat. Das ist nicht nur für Fans interessant, sondern ermöglicht es auch, im Nachgang die ursprünglichen Geschichten nachzulesen und einen Vergleich zur Hellboy-Version zu ziehen.

Die Bilder in diesem Teil des Buches stammen von verschiedensten Künstlern. Dazu gehören neben Mignola selbst auch Horror-Legende Richard Corben oder Comic-Veteran Philip Craig Russell. Jeder Künstler hat es geschafft seinen eigenen Stil zu bewahren und ist nicht der Versuchung verfallen, Mignolas Optik und Ästhetik einfach zu kopieren. 

Ob die Jagd nach einem Vampir im nächtlichen Prag, ein scheinbar auswegloser Kampf mit einer Hydra, einer Jagd nach Riesen oder seine Hommage „Der Krumme“ an den Horror-Autor „Manly Wade Wellmann“: Alle Kurzgeschichten fügen sich perfekt in den Kosmos ein und Mike beweist ein weiteres Mal sein Händchen für außergewöhnlich, intensive Abhandlungen, die nicht immer viele Seiten brauchen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. 

Mit „Abstieg zur Hölle“ setzt das Kompendium dort an, wo das Vorherige aufhörte. Nach einer tödlichen Auseinandersetzung mit einem Drachen begibt sich „Big Red“ auf seine letzte Reise. Im Totenreich angekommen wartet ein leerer Thron auf ihn und er muss sich entscheiden, wie er mit diesem Erbe umgehen möchte. Untrennbar davon folgt „Die Todeskarte“. Darin wandelt der Protagonist durch die Hölle, auf der Suche nach Antworten und nur einem Ziel: Ruhe und vor allem Frieden zu finden.

Detailliertere Ausschweifungen kann und möchte man gar nicht zu diesem epischen Finale verlieren, um dem Leser nicht zu viel vorwegzunehmen. Ein bisschen darf aber verraten werden: So wie man es bereits aus der Vergangenheit kennt, werden Figuren aufgegriffen, die dem Protagonisten schon einmal über den Weg gelaufen sind. Außerdem hat der Autor sich dazu entschieden, einen ruhigen und wenig actionreichen Abgesang auf seine Schöpfung zu halten. Das bedeutet nicht, dass gar keine Fäuste fliegen. Aber im Kern ist dies ein ruhiges, poetisches Ende, bei welchem sich der Mignola viel Zeit nimmt, um Abschied zu nehmen.

Wer zu einem dieser Kompendien greift, bekommt eine lange, geheimnisvolle, ereignisreiche und vor allem mit Liebe zum Detail gespickte Erzählung. Dabei garantiert der üppige Umfang ein anhaltendes Lesevergnügen, das über einen Abend hinaus geht. Die nicht ganz preiswerten Bücher sind hochwertig verarbeitet, das Papier ist schön fest und griffig.

Man sollte aber nicht den Fehler begehen und mittendrin anfangen. Um das ganze Ausmaß sowie alle Facetten verstehen zu können, ist die Reihenfolge entscheidend. Daher sollte man hier unbedingt zum ersten Teil greifen, um sich dann immer weiter in diese verzweigte Saga zu begeben.


HELLBOY Kompendium (Bd.4), Autor: Mike Mignola, Künstler: Mike Mignola, Richard Corben, Philip Craig Russell, 656 Seiten, Hardcover, 60,00 Euro, Erschienen bei CROSS CULT