Teenage Mutant Ninja Turtles – Mutanten in Manhattan

Wohl kaum ein Kind der Neunziger hat nicht auch eine Videospielkonsole besessen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter den mühsam zusammengesparten Modulen ein Turtles-Spiel war ist nicht gering. Mit dem profilierten Spiele-Entwickler „Platinum Games“ und dem Kreativ-Team des genialen Comic-Reboots aus dem IDW-Verlag hat Publisher Activision fachkundiges Personal versammelt um möglicherweise das Turtles-Spiel aus der Taufe zu heben, auf dass viele von uns seit zwanzig Jahren warten. Hat das gereicht? Das hängt maßgeblich von der Perspektive ab. Für mich als großem Fan des brasilianischen Turtle-Künstlers Mateus Santolouco ist es in jedem Fall ein großes Vergnügen, wie „seine“ Turtles-Interpretation auf dem heimischen Flachbildschirm zum Leben erwacht. Sämtliche Charaktere fangen das Flair eines der besten und kreativsten Neunziger-Reboots fantastisch ein und sind klasse animiert. Das wird insbesondere bei den witzigen Filmsequenzen, die Bosskämpfe mit Fan-Lieblingen wie Bebop und Rocksteady einleiten deutlich, die übrigens komplett deutsch synchronisiert worden und deutlich über dem besorgniserregenden Qualitätsstandard hierzulande liegen.

Auch während die vier Pizzavertilgenden Brüder sich ständig wiederholenden „Besiege-Alle-Feinde“, „Beschütze-Den-Pizzawagen“ oder „Entschärfe-Die-Bomben“-Missionen stellen, werfen sie sich ein unterhaltsames, nur selten zu Wiederholungen neigendes Repertoire von flapsigen Sprüchen an die grünen Köpfe. Apropos Wiederholungsarm – Deutlich mehr Vielfalt und Leben, was die sehr kargen Kulissen angeht, hätte noch einiges zur Atmosphäre beitragen können, schade. Obwohl sich „Mutanten in Manhattan“ als Combo-orientierter Actiontitel bei den Entwicklern von Krachern wie „Bayonetta“ oder „Metal Gear Rising“ in versierten Händen befand, sind viele Spielelemente eher schmückendes Beiwerk als wirklich notwendig. Auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad führt simples Knöpfchendrücken genau so schnell zum Ergebnis, wie herausfordernde Konter oder der strategische Einsatz von bei Meister Splinter käuflich zu erwerbenden Powerups.

„Teenage Mutant Ninja Turtles – Mutanten in Manhattan“ hätte also ein deutlich besseres Spiel sein können, dass neben freispielbaren Comic-Covers mit weiteren, spielbaren Charakteren, Modi oder Stages als Motivation deutlich nachhaltiger zum heiteren Ninja-Verkloppen eingeladen hätte. Was der mittlerweile erwachsene, anspruchsvolle Spieler dabei gern aus den Augen verliert, ist wie primitiv aber auch ein „Fall of the Footclan“ für den Gameboy oder ein „Turtles in Time“ für das Super Nintendo im Grunde waren. Und wie oft und lang man sich trotzdem vor den oft nur wenigen Bildschirme breiten Hintergründen um die Wette geprügelt hat. Etwas mehr Mut zur Nostalgie oder ein lokaler Mehrspielermodus hätten das Spieleerlebnis vermutlich noch mehr in diese Richtung gelenkt.

Am Ende bleibt kein innovativer, komplexer Toptitel, mit dem man mehrere Wochen am Stück verbringen könnte. Sondern ein kurzweiliger, netter Knöpfchenklopper der in seiner Präsentation vieles richtig macht und vor allem für kleine Schildkrötenfreunde sowie Fans der IDW-Turtles einige unterhaltsame Stunden bereithält.

Getestet wurde die Fassung für die Playstation 4.

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES – MUTANTEN IN MANHATTANTeenage Mutant Ninja Turtles Mutants in Manhattan
Erhältlich für:
Playstation 4, Playstation 3, XBox 360, XBox One, PC
1 Spieler (Offline), 1-4 Spieler (Online)
39,99€-49,99€
Erschienen bei Activision 

Offizieller Trailer: